BP und der Irak Wie sich "Blair Petroleum" für den Krieg rüstet

Großbritanniens Vorzeigekonzern BP war einst der erste, der Zugang zu den reichen Ölbeständen des Irak gewann. Werden die Förderrechte nach einem US-Sieg neu vergeben, möchte BP sich keineswegs ausstechen lassen - und nutzt deshalb seinen guten Draht zur Downing Street.

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BP-Chef Lord Browne: Wachstum tut not, schnelles Wachstum
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BP-Chef Lord Browne: Wachstum tut not, schnelles Wachstum

London - Es war Ende Oktober, eigentlich sollte Lord Edmund John Philipp Browne of Madingley nur Quartalszahlen verkünden - dann aber brach er öffentlich ein Tabu. Vor der versammelten Finanzpresse in London schnitt der Chef des Mineralölmultis BP ein Thema an, das die meisten in seiner Branche lieber vermeiden: den drohenden Angriff auf den Irak.

Der Satz, den der Vorstandschef sagte, war so verschachtelt wie bemerkenswert. "Wir haben klargestellt, dass wir gewährleisten wollen, dass nach einem Regimewechsel im Irak bei der Auswahl von Ölfirmen, die ins Land gehen, die gleichen Spielregeln für alle gelten sollten".

Wenig zu verlieren, viel zu gewinnen

Kollegen in der Branche schüttelten damals die Köpfe über Brownes "unvorsichtigen" Satz. Schließlich konnten Kritiker des Krieges, der Regierungen Bush, Blair und der Öl-Konzerne ihn allzu leicht in den falschen Hals bekommen. Hatte Browne da nicht suggeriert, dass George W. Bush den amerikanischen Ölkonzernen zu lukrativen Förderrechten im Irak verhelfen könnte? Appellierte er nicht an die eigene, kriegsbereite Regierung, ebenfalls im Sinne ihrer Industrie zu intervenieren? Bestätigte der BP-Chef etwa die These vom Krieg fürs Öl?

Dass Browne sich aus der Deckung wagte, während andere Chefs von "Big Oil" vorsichtig schweigen, zeigt vor allem eines: Im Nahen Osten hat BP wenig zu verlieren, aber viel zu gewinnen - da kann sich eine Risikostrategie auszahlen. Will Browne sich einen Anteil der Ressourcen zwischen Kuweit und Kurdistan sichern, hat er einiges aufzuholen. Aber BP scheint gewillt, es wenigstens zu versuchen, denn der Preis ist mehr als verlockend.

Schmierige Medizin

Die Russen, die Italiener von Eni, die Franzosen von TotalFinaElf - sie alle waren schneller oder rücksichtsloser, schlossen Vorverträge mit dem Hussein-Regime. Auch die Nachfolger Saddams werden aus diplomatischer Rücksicht zumindest einen Teil davon respektieren müssen. Derweil verhandeln die Emissäre amerikanischer Multis wie ExxonMobil im Geheimen schon mit Exil-Irakern, die als US-freundliche Vasallen in Frage kommen. BP steht zwischen den Fronten: Weil der Konzern im Kern immer noch britisch ist, kann er nicht offen mit dem Feind der Achse Bush-Blair anbandeln. So muss BP auf den Sturz Saddams hoffen, dürfte davon aber weniger profitieren als US-Konkurrenten.

Kein Wunder also, wenn der Underdog öffentlich Fairplay einfordert. Ein paar Erfolge im Spiel ums Öl, so viel ist gewiss, könnte BP gut gebrauchen. Das Jahr 2002 nämlich war eines der Pannen und Probleme. Gleich mehrfach in nur wenigen Wochen musste BP seine ehrgeizigen Ziele für das Wachstum der Fördermengen nach unten korrigieren. Ausreden wie die, ein Hurrikan im Golf von Mexiko habe die Prognosen durcheinander gewirbelt, vergrößerten den Image-Schaden nur: Plante Europas wertvollstes Unternehmen wirklich so unprofessionell?



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