Branchenkrise Automanager erwarten fünf düstere Jahre

Weniger Gewinn und Umsatz, mehr Insolvenzen - die Autobranche blickt in eine finstere Zukunft. Laut einer Umfrage rechnen Manager von Herstellern und Zulieferern bis 2013 nicht mit einer signifikanten Besserung der Lage.


Hamburg - Die globalen Aussichten für die Autobranche verfinstern sich. Laut einer Umfrage der Beratungsgesellschaft KPMG unter 200 führenden Vertretern der Automobil- und Zulieferindustrie erwarten die Manager für den Zeitraum von 2009 bis 2013 geringere Umsätze und Gewinne, mehr Insolvenzen sowie eine Zunahme von Fusionen und Übernahmen.

Autohandel in den USA: "Kein gutes Zeichen"
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Autohandel in den USA: "Kein gutes Zeichen"

Der Automobil-Chef von KPMG, Uwe Achterholt, sagte, knapp die Hälfte der Befragten gehe für die kommenden fünf Jahre von stark schwankenden Erträgen aus oder sehe sich außerstande, die Rentabilität ihres Unternehmens einzuschätzen. "Das ist ein ungewöhnlich hoher Wert und kein gutes Zeichen für eine Branche, die in hohem Maße von langfristigen Planungen abhängig ist", sagte der KPMG-Berater. Jeder vierte Manager (25 Prozent) sagt zudem, dass die Ertragskraft der Unternehmen sinken wird und nur noch einer von sechs Automanagern (15 Prozent) geht für die Periode 2009 bis 2013 von steigenden Renditen aus.

Steigendes Insolvenzrisiko

Auch sehen mehr als doppelt so viele Manager wie im Vorjahr (77 Prozent) die Gefahr von Insolvenzen in der Branche. Dabei äußern sich Zulieferer am pessimistischsten - hier gehen 87 Prozent von einer steigenden Zahl von Firmenpleiten aus. Unter den Herstellern sind es drei von vier Befragten. Als Hauptursache für ihre Befürchtungen geben neun von zehn Managern Umsatzverluste an. Als weitere wichtige Gründe nennen sie nicht wettbewerbsfähige Kostenstrukturen, Schulden und Pensionsverpflichtungen der Unternehmen.

Zuletzt hatte es Anzeichen dafür gegeben, dass einer der großen US-Autobauer General Motors Chart zeigen, Ford Chart zeigen oder Chrysler zahlungsunfähig sein könnte. Die Konzerne hatten den Trend zu kleineren Autos verschlafen und zu lange auf große Spritschlucker gesetzt. Hinzu kam die Finanz- und Wirtschaftskrise, durch die Autoverkäufe in den USA 2008 so stark zurückgingen wie seit der Ölkrise 1974 nicht mehr. GM und Chrysler mussten deshalb mit Milliardenzahlungen des US-Staats vor dem Aus gerettet werden.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch der Autobranche in Deutschland im vergangenen Jahr einen deutlichen Rückgang bei den Verkaufszahlen beschert. 2008 wurden im Inland nach Angaben des Branchenverbands VDA insgesamt 3,09 Millionen Autos verkauft und damit 1,9 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Demnach sanken bei den deutschen Herstellern die Verkaufszahlen um rund ein Prozent. Die ausländischen Hersteller hätten drei Prozent weniger Autos verkauft.

Mehr Fusionen und Allianzen

Die Gefahr einer Insolvenz sehen die meisten Fachleute inzwischen auch als Hauptgrund für Fusionen und Übernahmen in der Autowirtschaft. Vor allem bei Herstellern und Händlern erwarten die Befragten viel Bewegung. So rechnen 72 Prozent der Branchenexperten damit, dass es unter den Herstellern in den kommenden fünf Jahren zu Fusionen, Übernahmen oder Allianzen kommt - vor einem Jahr war es nur knapp die Hälfte.

Immerhin: Die Automanager sehen auch Anlass zur Hoffnung. Sie gehen davon aus, dass der Automarkt in den Schwellenländern - selbst wenn man China und Indien nicht berücksichtigt - schneller wachsen wird als in allen anderen Regionen. Das größte Wachstum erwarten die Befragten für Osteuropa sowie Zentral- und Südamerika, hier vor allem in Brasilien.

suc/AP/Reuters/AFP



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