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Fahrradmarkt Deutschland: Der Rubel rollt dank Elektro-Antrieb

Branchentrend E-Bikes Fahrradfirmen schwelgen im Elektro-Boom

Die Fahrradhersteller hoffen auf einen Mega-Trend: Hunderttausende Deutsche satteln auf E-Bikes um - und treiben die Umsätze kräftig hoch. Sogar ein Autokonzern mischt nun in der Branche mit. Die Elektro-Drahtesel sollen den Markt ähnlich revolutionieren wie die Smartphones die Handy-Industrie. 

Gute Laune, wohin man nur schaut. Auf der weltgrößten Fahrradmesse Eurobike  in Friedrichshafen sieht man fast nur zufriedene Gesichter. Denn das Geschäft mit den Drahteseln brummt. Vor allem dank eines Mega-Trends: die Elektro-Fahrräder.

Immer mehr Deutsche betrachten diese seltsamen Hybridfahrzeuge, die halb Drahtesel, halb Elektro-Roller sind, als attraktive Alternative zum Auto. Aus gutem Grund: Benzin wird teurer, in staugeplagten Städten fehlen Parkplätze, und das Umweltbewusstsein steigt - all das befördert den Aufschwung der E-Bikes. Auf kurzen Stadtstrecken ist das Rad oft das schnellste und bequemste Verkehrsmittel. Und dank Akku und E-Motor können Pendler Strecken von bis zu 15 Kilometern radeln, ohne verschwitzt im Büro anzukommen.

Für die Branche sind die Elektro-Velos ein Segen. Denn ihre Verkaufszahlen sind in den vergangenen Jahren gesunken. 2007 wurden 4,6 Millionen Fahrräder gekauft, 2010 waren es nur noch vier Millionen. Trotzdem steigen die Umsätze - dank des E-Bike-Booms.

Zwischen 1500 und 3000 Euro kostet ein E-Bike - das macht sich bei den durchschnittlichen Einnahmen der Branche bemerkbar. 2009 bezahlten die Deutschen im Mittel 446 Euro für ein Rad, 2010 waren es 460 Euro, Tendenz weiter steigend. Rechnet man die Elektro-Räder aus der Statistik heraus, liegt der mittlere Verkaufspreis für Räder nur noch bei 370 Euro.

Teure Edel-Geräte, die einer gesättigten Branche neue Umsätze bescheren - das Prinzip ist gut bekannt. Zuletzt erlebte der Handy-Sektor durch die Smartphones einen ähnlichen Boom. Hier verzeichneten die Hersteller in manchem Quartal Rekordzuwächse von mehr als 100 Prozent.

Rasant steigende Absätze

Auch bei den E-Bikes steigen die Verkaufszahlen rapide. 2011 rechnet der Zweirad-Industrieverband (ZIV) mit einem Absatz von 300.000 Stück in Deutschland. Das wären 50 Prozent mehr als 2010. Und der Marktanteil soll weiter steigen. "Mittelfristig sind bei den E-Bikes 10 bis 15 Prozent realistisch", sagt ZIV-Geschäftsführer Siegfried Neuberger. Das würde bedeuten, dass hierzulande jährlich 400.000 bis 600.000 Velos mit Elektro-Antrieb verkauft werden.

Die Zeichen stehen gut, dass der Boom einige Jahre anhalten wird. E-Bikes sind prinzipiell für alle Zielgruppen interessant: Senioren schaffen damit längere Strecken von 15 Kilometern und mehr. Ehepaare können gemeinsam eine Radtour auch durch bergiges Gelände machen. Und waghalsige Downhiller lassen sich vom Akku auf den Berg chauffieren.

Der Markt wird derzeit von einem Modell dominiert. Mehr als 95 Prozent aller verkauften E-Bikes sind sogenannte Pedelecs, bei denen der Elektromotor nur dann für Schub sorgt, wenn der Fahrer zugleich in die Pedale tritt. Zudem hilft der Motor nur bei Geschwindigkeiten bis zu 25 Kilometer pro Stunde. Der Vorteil: Pedelecs gelten als normale Fahrräder, es besteht weder Helm- noch Versicherungspflicht.

Die E-Bikes bescheren der Branche einen Innovationsschub, wie sie ihn zuletzt Anfang der neunziger Jahren mit dem Mountainbike erlebte. Moderne Schaltungen, Scheibenbremsen, komfortable Federung - all dies verdankt die Industrie in erster Linie den Geländerädern. Als der Hype um die Mountainbikes dann vorüber war, fehlten neue Ideen, um die Kunden in die Geschäfte zu locken.

Nun gibt es eine neue Generation von Geräten - und eine ganze Reihe weiterer Modelle dürfte in den kommenden Jahren entstehen. Aktuelles Beispiel: das e-Jalopy, ein E-Rad mit Web-Anschluss, das Großstädtern beim Fahren die besten Routen präsentiert.

Kein Wunder, dass mit Smart nun auch ein renommierter Autohersteller ins E-Bike-Geschäft einsteigt. Auf der Eurobike präsentiert Smart sein erstes Pedelec. Es soll 2012 auf den Markt kommen und rangiert in der Preisskala fast ganz oben: 2900 Euro müssen Kunden für das E-Bike zahlen. Zum Vergleich: Der billigste Smart kostet 10.000 Euro.

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