Von Öl zu Wasserstoff Brandenburg hofft auf Zukunft für Rosneft-Raffinerie

Nach dem geplanten Ölembargo gegen Russland fürchtet die Raffinerie in Schwedt um ihr Geschäft. Das Bundesland Brandenburg drängt nun auf neue Konzepte für die Verarbeitung – mit Wasserstoff und Biomaterialien.
PCK Raffinerie in Schwedt/Oder: Wie geht es weiter mit der Ölverarbeitung?

PCK Raffinerie in Schwedt/Oder: Wie geht es weiter mit der Ölverarbeitung?

Foto: Patrick Pleul / dpa

Seit Deutschland sich für ein mögliches Ölembargo gegen Russland ausgesprochen hat, sorgt man sich in Schwedt um die Zukunft. In der dort ansässigen Öl-Raffinerie PCK, die mehrheitlich zum russischen Staatskonzern Rosneft gehört, arbeiten nach Angaben der Landesregierung rund 1200 Beschäftigte. Was soll aus ihnen werden, wenn die Energie künftig aus anderen Ländern kommen wird?

Das Bundesland Brandenburg hat dazu nun einige Ideen parat: »Ich sehe die Zukunft in einem Standort mit einem neuen, moderneren Raffineriekonzept unter Verwendung von Wasserstoff ebenso wie auch entsprechender Biomaterialien. Also einer Raffinerie 2.0«, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) den »Potsdamer Neuesten Nachrichten«. Er gehe von sieben bis zehn Jahren aus, die eine solche Umstellung dauern könne, sinnvoll sei sie aber in jedem Fall. »Die Transformation ist eine Aufgabe, die sowieso anstand, weil man davon ausgehen konnte, dass in den nächsten zehn Jahren das klassische Konzept einer Raffinerie nicht mehr tragen würde.«

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will das Unternehmen am Montagabend besuchen, um vor dem Hintergrund des Ölembargos mit den Beschäftigten und der Geschäftsführung zu sprechen. Die Raffinerie verarbeitet das russische Öl aus der Druschba-Pipeline (auf Deutsch: Freundschaft), die in Schwedt endet.

Treuhand oder Enteignung?

Der Bund sucht seit längerer Zeit gemeinsam mit dem Land Brandenburg nach Alternativen für russisches Öl, das laut Steinbach aber nur bis zu 70 Prozent der bisherigen Leistung ausmache. Offen ist die Frage des künftigen Eigentümers: Mit einer Gesetzesänderung könnte die Bundesregierung die Raffinerie unter staatliche Treuhandverwaltung stellen oder sogar enteignen.

Was die Position von Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Aufsichtsrat von Rosneft betrifft, antwortete Brandenburgs Wirtschaftsminister ausweichend. »Mir ist die Wahrnehmung der Rolle, die Herr Schröder im Aufsichtsrat von Rosneft hat, nicht vollständig plausibel«, sagte Steinbach. Deshalb könne er keine Aussagen darüber machen, was Schröder tun oder lassen sollte.

rai/dpa
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