Brandrede einer Milliardärstochter Murdoch-Tochter kritisiert Profitgier

Es war ein Angriff auf ihren Bruder und das mächtigste Medienunternehmen der Welt: Elisabeth Murdoch, Tochter des Medien-Tycoons Rupert Murdoch, hat in einer Rede die Profitorientierung der Firma ihres Vaters scharf kritisiert - und sich für die Konzernspitze empfohlen.

Elisabeth Murdoch bei ihrer Rede: Bewerbung für den Chefposten bei News Corp.
REUTERS

Elisabeth Murdoch bei ihrer Rede: Bewerbung für den Chefposten bei News Corp.


Hamburg - Die Spannungen in der mächtigsten Medienfamilie der Welt brachen machtvoll auf, als Elisabeth Murdoch am Donnerstag die Eröffnungsrede beim Medienfestival in Edinburgh hielt: News Corp., die Firma ihres Vaters Rupert, sei frei von Werten. Ihr Bruder James, in der Firma für das Tagesgeschäft zuständig, habe einzig den Profit im Visier.

Die Eröffnungsrede beim "Edinburgh International Television Festival", die "James MacTaggart Lecture" wird traditionell von den bekanntesten und kontroversesten Köpfen der Medienbranche gehalten und sorgt in der Regel für Aufsehen. Elisabeth Murdoch war die erste Frau seit 17 Jahren, die dort sprechen durfte - und erst die vierte seit Gründung des Festivals 1976. Sie nutzte den Auftritt auch als Replik auf ihren Bruder, der dort vor drei Jahren auftreten durfte - und als Bewerbung für den Chefposten bei News Corp.

Es war auch Elisabeth Murdochs erste öffentliche Rede seit der Affäre um gehackte Handy-Mailboxen vor einem Jahr - der Beginn des tiefen Zerwürfnisses mit ihrem Bruder James. News Corp. müsse sich angesichts des Skandals "der schwierigen Frage stellen, wie es zu diesem Verhalten kommen konnte, dass die Werte des Unternehmens so weit verfehlt".

"Was würde Rupert tun?"

Vor einem Jahr wurde bekannt, dass sich Reporter der englischen News-Corp.-Zeitung "News of the World" Zugang zu zahlreichen Mailboxen unter anderem von Prominenten verschafft hatten. Die Affäre sorgte in Großbritannien wochenlang für Aufregung und führte letztlich dazu, dass Rupert Murdoch die Zeitung "News of the World" nach 168 Jahren Bestehen einstellte.

News Corp. müsse aus dieser Erfahrung lernen, sagte Elisabeth Murdoch: Das Unternehmen müsse ein klares Wertesystem entwickeln und danach handeln. Derzeit handelten die Manager in dem Unternehmen "nach dem Prinzip 'Was würde Rupert tun?'".

Die harsche Kritik der 44-Jährigen wird als Bewerbung für den Chefposten angesehen, auch wenn ihre Freunde betonen, sie habe daran kein Interesse. Ihr Bruder James galt lange als Kronprinz, sein Umgang mit dem Abhörskandal bei "News of the World" ruinierte allerdings seine Chancen. Elisabeth Murdoch leitet derzeit die von ihr gegründete Fernsehproduktionsfirma "Shine TV", die auch für die BBC dreht und im vergangenen Jahr von News Corp. übernommen wurde.

"Profit soll unser Diener sein - nicht unser Herr"

Murdoch teilte vor allem gegen ihren Bruder James aus - der betont hatte, der einzige Garant für dauerhafte Unabhängigkeit sei der Profit. Ihr Bruder habe da "etwas ausgelassen", sagte seine ältere Schwester, "Profit ohne Sinn ist das Rezept für ein Katastrophe". In scharfem Gegensatz zu ihrem Bruder und ihrem Vater hob sie hervor, daß die Menschen "die Idee, dass Geld das einzige Maß der Dinge sei" verwerfen müssten. "Profit soll unser Diener sein, nicht unser Herr."

In vielen Teilen war die Rede eine Replik auf die Rede ihres Bruders an derselben Stelle vor drei Jahren. James Murdoch hatte die öffentlich-rechtliche BBC damals für ihre Expansionsstrategie scharf kritisiert und betont, daß nur der Wettbewerb gut für das Fernsehgeschäft sei. Elisabeth Murdoch dagegen lobte die BBC an mehreren Stellen ihrer Rede - mit Erfolg. Während James vom Publikum geradezu feindlich empfangen wurde, reagierten die Zuhörer - eine hochkarätige Mischung der wichtigsten englischen Medienmanager - begeistert auf die Rede seiner älteren Schwester.

Auch wenn die nicht an Kritik für ihren Bruder sparte, so lobte sie doch ihren 81-jährigen Vater Rupert für die Gründung des Unternehmens vor mehr als 60 Jahren: "Mein Vater hatte die Vision, den Willen und die Zielstrebigkeit, die alte Weltordnung im Namen der Menschen herauszufordern". Eine Generation später sei es an der Zeit, diesen Zweck wieder an die erste Stelle zu setzen.

nck

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
liberalerfr 24.08.2012
1. Beruf Tochter
Das typische Beruf-Tochter/Sohn-Syndrom: Mussten nie wirklich arbeiten und das Geld kommt immer von der Bank. Dann hat man natürlich Zeit und Muse über andere Gesellschaftssysteme nachzudenken. Dass man für sein Geld normalerweise eine Gegenleistung erbringen muss, können diese armen Töchter und Söhne natürlich nicht wissen. Es sei ihnen verziehen.
zeitmax 24.08.2012
2. Unqualifiziertes statement
Nehmen Sie doch bitte zur Kenntnis, dass es einen internationalen Geldadel gibt, der in Generationen, Kontinenten, Trusts und Latifundien denkt. Da ist es das Natürlichste der Welt und mit der Muttermilch aufgesogen, über "Gesellschaftssysteme" nachzudenken. Hier hat die Geschäftsleitung eklatant gegen die eigene Kaste verstoßen, und die Schwester versucht zu retten, was zu retten ist; natürlich wie stets öffentlichkeitswirksam verpackt. BTW: An echter Arbeit besteht sicher kein Interesse, dafü gibt es subalterne und käufliche Politiker. So funzt unsere Welt.
BlakesWort 24.08.2012
3.
Wie sagte Reich-Ranicki so schön: "Geld allein macht nicht glücklich. Aber ich weine lieber im Taxi als im Bus." Ist ja schön und gut, wenn sie das Offensichtliche brandmarkt. Aber sie hätte ihren Vater mit seiner Müll-Presse ohne weiteres früher ansprechen können, bevor die Menschen jegliches Vertrauen in diese Aasgeier verloren.
miomiomio 24.08.2012
4. was für ein kommentar
hallo liberalerfr. vielleicht haben sie mit alle ihren Behauptungen recht. Aber es bedarf genauerer Erklärungen. Zum einen, was ist falsch an der der Aussage, dass Profit Mitel zum zweck und nicht der Zweck ist? Und woher wissen sie das Fr. Tochter nie arbeiten musste, wo doch gerade erfolgreiche Fam.unternehmer wert auf solche Erfahrungen legen? Und wieso muss ich für mein GEld eine Gegenleistung erbringen? Normalerweise werden mir für mein GEld Gegenleistungen erbracht. Auch ein reicher Mensch kann das wissen. Aber ich finde toll, das sie so generös vergeben.
kinich_janaab 24.08.2012
5. Gegenleistung
Zitat von liberalerfrDas typische Beruf-Tochter/Sohn-Syndrom: Mussten nie wirklich arbeiten und das Geld kommt immer von der Bank. Dann hat man natürlich Zeit und Muse über andere Gesellschaftssysteme nachzudenken. Dass man für sein Geld normalerweise eine Gegenleistung erbringen muss, können diese armen Töchter und Söhne natürlich nicht wissen. Es sei ihnen verziehen.
Welche "Gegenleistung" erbringt ein Multimillionär, der auf sein Vermögen Zinsen kassiert, ausser, dass er am Bildschrim sein Kontostand verfolgt? Wenn es so wäre wie Sie es behaupten, mit der Gegenleistung, müsste die Ökonomie auf der Welt nicht ausgeglichen sein? Woher kommen dann die ca. 50 Billionen weltweiten Schulden?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.