Trotz Protesten Brasiliens Präsident Bolsonaro treibt Goldabbau im Amazonas voran

Ureinwohner fürchten um ihre Reservate, Umweltschützer warnen vor Zerstörung – trotzdem fördert Brasiliens Präsident Bolsonaro die Goldgewinnung im Amazonasgebiet.
»Garimpeiro« nahe Itaituba im brasilianischen Bundesstaat Pará: Ausgeweitete Goldsuche

»Garimpeiro« nahe Itaituba im brasilianischen Bundesstaat Pará: Ausgeweitete Goldsuche

Foto: Nacho Doce / REUTERS

Die Regierung spricht von handwerklichem Kleinbergbau, doch Kritiker sehen mächtige Unternehmer als Drahtzieher: Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat einen Plan zur Ausweitung der Goldgewinnung im Amazonasgebiet genehmigt.

Ein damit geschaffenes Programm soll die Weiterentwicklung von Bergbaumethoden vor allem im Amazonasgebiet fördern, wie aus einer Veröffentlichung im Amtsblatt der Regierung hervorging. Mit einem zweiten Dekret soll die Bestrafung von Goldsuchern erschwert werden.

»In der Praxis zielen die Dekrete darauf ab, eine räuberische Praxis zu legalisieren, die fortschreitet und die Umwelt zerstört«, kommentierte die Umweltorganisation Greenpeace.

Seit Langem gibt es Kritik von Umweltverbänden, die eine Waldrodung und Übergriffe auf die einheimische Bevölkerung beklagen.

Der Goldabbau ist im Amazonasgebiet weitverbreitet. Bolsonaro ist ein Befürworter der wirtschaftlichen Nutzung des Amazonasgebiets und will auch den bisher illegalen Goldabbau in indigenen Gebieten erlauben. Kritiker werfen ihm vor, ein gesellschaftliches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Goldgräber und andere Eindringlinge ermutigt fühlen.

In den Dekreten der Regierung ist von handwerklichem Kleinbergbau die Rede; tatsächlich investieren finanziell starke Unternehmer in die Ausbeutung der indigenen Gebiete mit professionellem Gerät.

Bolsonaros Vater war selbst Goldsucher

Der illegale Goldabbau – in Brasilien »garimpo« genannt – steht häufig am Anfang einer Kette, bei der Holzfäller, Viehzüchter und Agrarunternehmer auf die Goldsucher folgen. Die »garimpeiros« schlagen tiefe Schneisen in den Wald.

Bolsonaros eigener Vater war einst »garimpeiro«. Durch die Goldsucher wurden im vergangenen Jahr im Amazonas 125 Quadratkilometer Land verwüstet. Davon entfiel ein Großteil auf die Reservate der Ureinwohner. Durch den Einsatz von Quecksilber bei der Gewinnung von Goldstaub aus der Erde werden die Flüsse belastet.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es Verbindungen zwischen den Goldsuchern und der organisierten Kriminalität. Es wurden auch bewaffnete Zusammenstöße zwischen Goldgräbern und Einheimischen gemeldet.

Der Bergbau in kleinem Maßstab ist in Brasilien erlaubt, wenn es dafür Genehmigungen gibt. Aber viele der Goldsucher haben keine Genehmigungen. Nach Einschätzung der Regierung sind 4000 Goldsucher auf dem Land von Einheimischen im Amazonasgebiet in Betrieb. Aktivisten schätzen diese Zahl viel höher ein.

Seit Bolsonaro 2019 ins Amt kam, stieg der Kahlschlag im Amazonasgebiet auf einen 15-Jahre-Höchststand von 13.235 Quadratkilometern in der Zeitspanne von August 2020 bis Juli 2021.

mmq/dpa/AFP