Brexit-Ärger bei G7 Macron und Johnson liefern sich Schlagabtausch wegen Würstchen

Der Brexit ist endlich vollzogen – doch der Austritt der Briten aus der EU sorgt noch immer für reichlich Sprengstoff, selbst bei nicht erscheinenden Streitgegenständen. Beim G7-Gipfel Stein des Anstoßes: Fleischwaren.
Da gings noch nicht um die Wurst: Frankreichs Präsident Macron begrüßt Premierminister Johnson beim G7-Gipfel

Da gings noch nicht um die Wurst: Frankreichs Präsident Macron begrüßt Premierminister Johnson beim G7-Gipfel

Foto: PHIL NOBLE / AFP

Der Brexit sorgt - auch ein halbes Jahr, nachdem er endgültig vollzogen wurde - immer noch für Streit zwischen Briten und Europäern. Vor allem das Konstrukt, auf das sich beide Seiten geeinigt hatten, um die Errichtung einer harten Grenze zwischen der Republik Irland und dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland zu verhindern, sorgt immer wieder für Konflikte.

Aktuell im Fokus: Würstchen. Weil Brüssel vermeiden will, dass über Nordirland britische Produkte ohne Kontrollen auf den gemeinsamen Binnenmarkt kommen, hat die EU Großbritannien die Errichtung einer Zollgrenze in der Irischen See abgetrotzt. Doch das führt nun zu Problemen im Warenverkehr zwischen Nordirland und dem Rest des Vereinigten Königreichs.

Nicht mehr Teil des gleichen Staatsgebiets?

Das Problem: Ende Juni läuft eine Übergangsfrist aus, nach der britische Firmen bestimmte Fleischwaren nicht mehr in die EU liefern dürfen. Und das bedeutet auch: Britische Würstchen dürfen nicht mehr über die Zollgrenze nach Nordirland.

Dieser Streit ist bereits in den vergangenen Wochen hochgekocht. Unterhändler von EU und Großbritannien hatten im Laufe der Woche noch versucht, eine Lösung zu erzielen, damit beim G7-Treffen die Staats- und Regierungschefs nicht auch noch über Würstchen reden müssen.

Das allerdings hat nicht geklappt: Am Sonntag machte die britische Seite ihrem Unmut über Äußerungen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei einem Gespräch mit Premierminister Boris Johnson am Rande des Gipfels Luft. Bei dem Treffen der beiden war es um die Warenkontrollen in Nordirland gegangen.

Johnson fragte Macron, wie er es fände, wenn Wurst aus Toulouse nicht mehr in Paris verkauft werden dürfe, wie aus dem Élysée-Palast verlautete. Der französische Präsident habe »erstaunt« reagiert. Er habe ihm gesagt, dass Toulouse und Paris »Teile des gleichen Staatsgebiets« seien. Für Nordirland gelte dies nicht, da die Provinz durch die Irische See von Großbritannien getrennt sei. Die geografischen Gegebenheiten seien daher vollkommen unterschiedlich, sagte Macron den Angaben zufolge.

Wer hat recht?

Dies habe bei Johnson für Ärger gesorgt, berichtete die »Sunday Times«. »Nordirland und Großbritannien sind Teil des gleichen Landes«, erwiderte der demnach im Gespräch mit Macron. Der britische Außenminister Dominic Raab verlangte am Sonntag mehr »Respekt« von der EU für die territoriale Integrität seines Landes. Ranghohe EU-Politiker würden über Nordirland reden, als wäre es ein Land außerhalb des Vereinigten Königreichs, kritisierte Raab. »Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn wir Katalonien, Flandern in Belgien, ein Bundesland in Deutschland, Norditalien oder Korsika in Frankreich als eigenständige Länder bezeichnen würden?«, fügte er hinzu.

Die EU-Spitzen hatten die Regierung in London am Samstag am Rande des G7-Gipfels in Carbis Bay aufgerufen, sich an das nach dem Brexit vereinbarte Nordirland-Protokoll zu halten. Auch Macron appellierte an den britischen Premier, sein Wort zu halten. Johnson bat die Europäer seinerseits um Kompromissbereitschaft.

beb/afp