Bank-of-England-Chef Carney "Es ist nicht wie nach der Finanzkrise"

Die Bank of England senkt den Leitzins, die Immobilienpreise fallen. Dennoch sieht Notenbankchef Mark Carney nach dem Brexit-Votum keine Gefahr einer neuen Finanzkrise.

Mark Carney (Archivfoto)
REUTERS

Mark Carney (Archivfoto)


Trotz der Turbulenzen nach dem Brexit-Votum rechnet der Chef der britischen Notenbank nicht mit einer neuen großen Krise. Die Briten müssten sich keine Sorgen über die Vergabe von Darlehen machen, sagte der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, im Hörfunksender LBC: "Es ist nicht wie nach der Finanzkrise oder während der Eurokrise."

Der "moderne Finanzsektor" funktioniere, so Carney. Die Bank of England hatte am Donnerstag den Leitzins gesenkt. Mit 0,25 Prozent liegt er so tief wie nie zuvor seit Gründung der Bank vor mehr als 320 Jahren. Zudem wurde das Staatsanleiheprogramm zum Ankurbeln der Wirtschaft um 60 Milliarden Pfund aufgestockt sowie ein Anreizprogramm zur Förderung der Kreditvergabe aufgelegt.

Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Wirtschaft nach dem EU-Austrittsreferendum vom 23. Juni zu stabilisieren. Auf der Insel herrscht Unsicherheit, ob Großbritannien künftig noch Zugang zum EU-Binnenmarkt haben wird. Dies trübt die Konsumlaune der Verbraucher und hemmt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen.

Als weiteres Krisensignal für die britische Wirtschaft gilt, dass die Preise für Wohnimmobilien im Juli unerwartet deutlich gefallen sind. Sie sanken im Vergleich zum Vormonat um ein Prozent und damit fünfmal stärker als von Ökonomen angenommen, wie das Hypothekenunternehmen Halifax mitteilte.

Erst kürzlich hatte eine andere Untersuchung ergeben, dass die Häuserpreise in Londons Nobelvierteln im Juli so stark gesunken sind wie seit fast sieben Jahren nicht mehr. Diese Zahlen nähren die Sorge, dass Immobilien nach einem EU-Austritt massiv an Wert verlieren könnten, insbesondere am Finanzplatz London, dem eine deutliche Schwächung droht.

asa/Reuters



insgesamt 6 Beiträge
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taglöhner 05.08.2016
1. Informationsgehalt
Er hat doch sicher auch gesagt, warum seiner Meinung nach alles anders ist, als in der Finanzkrise, oder?
Newspeak 05.08.2016
2. ...
Der "moderne Finanzsektor" funktioniere, so Carney. Klar, deshalb ja jetzt auch der Aktionismus. Für mich funktioniert der Finanzsektor erst wieder, wenn Banken pleite gehen. Dann herrscht nämlich der vielbeschworene freie Markt und kein Sozialismus.
Herkules67 05.08.2016
3. Alles nicht so schlimm
Was soll er auch sagen, der gute Mann. Seine Einschätzung wird demnächst von der Wirklichkeit überprüft. Momentan zeigen die Pfeile allerdings nach unten, bin gespannt, ob diese Entwicklung umkehrbar ist, wo die harten Verhandlungen erst noch anstehen.
Thomas Schnitzer 05.08.2016
4.
Zitat von NewspeakDer "moderne Finanzsektor" funktioniere, so Carney. Klar, deshalb ja jetzt auch der Aktionismus. Für mich funktioniert der Finanzsektor erst wieder, wenn Banken pleite gehen. Dann herrscht nämlich der vielbeschworene freie Markt und kein Sozialismus.
Hübscher Versuch das Schreckgespenst Sozialismus auf den Kern der Marktwirtschaft umzudeuten, aber inhaltlich ist das natürlich Unfug, denn Banken haben nicht nur die Funktion den Geldkreislauf am Laufen zu halten, sie sorgen auch für die Bereitstellung von Investitionsmitteln an lohnender Stelle. Ohne solche Mittel könnten gerade die kleinen und mittleren Betriebe niemals z.B. größere Produktionsmaschinen stemmen, und hätten dadurch keinerlei Chance auf Wachstum.
baltes.badessen 05.08.2016
5. Der Finanzsektor funktioniert
Als langjährigem Mitarbeiter von Goldmann Sachs und erfahrenem Investment Banker liegt Herrn Carney sicher der arbeitslose Fabrikarbeiter aus Nordengland besonders am Herzen, der für den Brexit gestimmt hat.
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