Nach Johnson-Äußerung Drohender No-Deal-Brexit belastet Europas Börsen

Die Brexit-Verhandlungen könnten scheitern, laut Boris Johnson ist ein »No Deal« wahrscheinlich. Europäische Aktienkurse geben leicht nach, die britische Zentralbank warnt vor Störungen bei Finanzgeschäften.
Lastwagen am Hafen von Dover

Lastwagen am Hafen von Dover

Foto: Frank Augstein / AP

Der drohende No-Deal-Brexit belastet die Börsen in Europa. Der Dax verzeichnete ein Minus von 1,36 Prozent. Der europäische Aktienindex EuroStoxx 50 büßte gut ein Prozent ein. Auch der britische FTSE 100 und der französische Cac 40 verloren. Das britische Pfund fiel auf den niedrigsten Stand seit dem 13. November.

Zuvor hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gesagt, sie habe »niedrige Erwartungen«, dass ein Übereinkommen noch rechtzeitig abgeschlossen werde: »Die Wahrscheinlichkeit eines ›No deal‹ ist größer, als die eines Deals.«

Ähnlich pessimistisch hatte sich der britische Premierminister Boris Johnson geäußert. Nachdem ein Treffen in Brüssel am Mittwochabend keinen Durchbruch gebracht hatte, rief der Premierminister die Briten am Donnerstag auf, sich auf eine Handelsbeziehung mit der EU ohne Abkommen einzustellen. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Handelsabkommen sei »sehr, sehr wahrscheinlich«.

Trotz der negativen Signale halten die Außenminister Deutschlands und Irlands eine Einigung noch immer für möglich. Die EU werde weiterverhandeln, solange das Fenster für eine Einigung »auch nur einen spaltbreit geöffnet ist«, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD).

Britische Zentralbank erwartet spürbare Konsequenzen

Die britische Zentralbank erklärte, der Bankensektor des Vereinigten Königreichs sei »stabil« aufgestellt für ein »breites Spektrum möglicher wirtschaftlicher Auswirkungen«. Allerdings bedeute Stabilität des Finanzsystems nicht, dass Kunden keinerlei Folgen eines Scheiterns der Verhandlungen spüren würden, erklärte die Bank of England. »Marktschwankungen und Störungen der Finanzdienstleistungen« seien möglich.

Großbritannien war zum 1. Februar aus der EU ausgetreten, bis zum Jahresende bleibt das Land aber noch im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. In dieser Übergangsphase ist es bisher nicht gelungen, ein Handelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit auszuhandeln. Ohne Einigung würden im beiderseitigen Handel zum Jahreswechsel Zölle erhoben mit gravierenden Folgen für die Wirtschaft.

Die Verhandlungen über ein Post-Brexit-Abkommen sollen noch bis Sonntag dauern. Hauptstreitpunkte in den Gesprächen sind nach wie vor faire Wettbewerbsbedingungen, die Kontrolle eines künftigen Abkommens und die Fangrechte für EU-Fischer in britischen Gewässern.

bah/dpa/AFP
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