Nach Brexit Französische Fischer blockieren Lieferungen aus Großbritannien

Französische Fischer dürfen in britischen Gewässern nur mit Lizenzen ihre Netze auswerfen. Weil die auf sich warten lassen, gingen wütende Fischer in Nordfrankreich auf die Barrikaden.
Französische Fischer in Boulogne-sur-Mer blockieren Lkw

Französische Fischer in Boulogne-sur-Mer blockieren Lkw

Foto: PASCAL ROSSIGNOL / REUTERS

Bis zuletzt war die Hochseefischerei ein umstrittener Punkt in den Brexit-Verhandlungen – und der Konflikt ist bis heute nicht beendet. Bei Frankreichs Fischern herrscht derzeit große Wut über den Zugang zu britischen Gewässern. Mehr als hundert Fischer blockierten am Donnerstagabend in Boulogne-sur-Mer Lastwagen, die mit Fisch aus Großbritannien beladen waren, wie französische Medien berichteten. Der Protest richtet sich vor allem gegen die langsame Erteilung von Fischfanglizenzen in London. Boulogne ist der wichtigste Fischereihafen in Frankreich.

»Seit dem 1. Januar warten sie auf die versprochenen Lizenzen. Diese müssen nun ausgestellt werden, und die an der Arbeit gehinderten Fischer müssen entschädigt werden«, twitterte Xavier Bertrand, Präsident des Nationalrats, nach einem Treffen mit mehreren Fischern. Olivier Leprêtre, Präsident des regionalen Fischereikomitees, drohte der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge damit, einen Gang höher zu schalten, wenn auf europäischer Ebene nichts passiere.

Die Forderungen der Fischer in Boulogne-sur-Mer sind klar formuliert: »Ihr wollt eure Gewässer behalten? Okay, dann behaltet euren Fisch!«

Die Forderungen der Fischer in Boulogne-sur-Mer sind klar formuliert: »Ihr wollt eure Gewässer behalten? Okay, dann behaltet euren Fisch!«

Foto: PASCAL ROSSIGNOL / REUTERS

Forderung an EU-Kommission

Zuvor hatten sich Frankreichs Meeresministerin Annick Girardin und Europastaatssekretär Clément Beaune in den Streit eingeschaltet. »Die vollständige Erteilung von Lizenzen für den Zugang zu britischen Gewässern und die rasche Klärung wesentlicher Fragen ... müssen so schnell wie möglich sichergestellt werden«, hieß es in einer Mitteilung. Darin fordern sie die EU-Kommission auf, entschlossen zu handeln, um die vollständige Anwendung des Fischereiabkommens mit Großbritannien sicherzustellen.

Nach dem Ausscheiden der Briten aus der EU war es zu einem komplizierten Streit über Gesamtfangmengen und deren Aufteilung gekommen. Zeitweise drohten die Verhandlungen über einen Brexit-Handelspakt an der Fischfrage zu scheitern. Die EU-Staaten hatten sich im Dezember auf vorübergehende Fischfangquoten bis Ende Juli geeinigt. Doch auch auf britischer Seite kämpfen Tausende Fischer um ihre Existenz. Am Freitag gab die EU-Kommission grünes Licht für hundert Millionen Euro staatliche Unterstützung für Fischereibetriebe in Frankreich. Konkret geht es etwa um Hilfen für Fixkosten wegen nicht ausgelaufener Schiffe und die Kompensation von Einnahmeverlusten.

hba/dpa
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