Personalmangel nach dem Brexit Zehntausende Schweine in Großbritannien gekeult

In britischen Schlachthöfen fehlen Mitarbeiter aus dem EU-Ausland. Deshalb mussten schon 35.000 Schweine gekeult werden, sagt die Agrarlobby. Und das sei erst der Anfang.
Britische Schweinefarm (Archivbild): »Wir haben einfach keinen Platz mehr«

Britische Schweinefarm (Archivbild): »Wir haben einfach keinen Platz mehr«

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PHIL NOBLE / REUTERS

In Großbritannien fehlt Schlachtpersonal. Deshalb sind nach Angaben der Fleischbranche in Großbritannien Zehntausende Schweine gekeult worden. Der National Pig Association zufolge, die am Donnerstag im britischen Landwirtschaftsministerium an einem Krisentreffen teilnahm, sollen schon mindestens 35.000 gesunde Tiere getötet worden sein, da sie wegen eines riesigen Rückstaus in den Schlachthöfen nicht wie geplant geschlachtet und verarbeitet werden konnten.

Es wird geschätzt, dass der Rückstau bis Ende des Frühjahrs auf mehr als 200.000 Schweine anwachsen könnte. Rund 40 unabhängige Fleisch verarbeitende Betriebe haben der National Pig Association zufolge bereits die Branche verlassen.

In der Stadt York versammelten sich am Donnerstag Schweinebauern aus ganz Großbritannien, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die Bäuerin Kate Morgan aus der Grafschaft East Yorkshire sagte der Nachrichtenagentur PA: »Wir haben einfach keinen Platz mehr. Finanziell, emotional und mental sind wir in der Branche im denkbar schlechtesten Zustand. Das zerstört Existenzen.«

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Schon im vergangenen Jahr hatte der Personalmangel in der Fleischindustrie für Probleme gesorgt. Nach dem Ende der Freizügigkeit ist es heute aufwendig und teuer, als EU-Bürger eine Arbeitserlaubnis in Großbritannien zu bekommen.

Die National Pig Association fordert die britische Regierung auf, den Weg in die Branche für qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland zu vereinfachen, etwa die Anforderungen an Englischkenntnisse zu senken. Außerdem hofft der Sektor auf finanzielle Unterstützung für besonders stark betroffene Betriebe.

Angeblich nur 100 Interessenten für 800 befristete Visa

Nach Angaben der Zeitung »Daily Mail « hatte die Regierung im vergangenen Oktober angeboten, 800 auf ein halbes Jahr befristete Arbeitsvisa für ausländische Saisonarbeitskräfte in der Fleischindustrie auszustellen. Gekommen seien lediglich etwa hundert Menschen. Bereits in der Lkw-Krise, als auf der Insel zahlreiche Lkw-Fahrer aus dem Ausland fehlten, hatte die Regierung versucht, mithilfe 5000 befristeter Arbeitsvisa gegenzusteuern. Berichten zufolge war das Interesse daran äußerst gering.

sol/Reuters
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