Nach dem Brexit Großbritannien fällt aus Top Ten der deutschen Handelspartner

Der Brexit und Großbritanniens Wirtschaftsschwäche haben Folgen: 2022 wird das Königreich nicht mehr zu Deutschlands wichtigsten zehn Handelspartnern gehören. Doch in drei Branchen läuft es sehr gut.
Lkw im Hafen von Dover (Archivbild): Der Brexit erschwert den Handel zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich

Lkw im Hafen von Dover (Archivbild): Der Brexit erschwert den Handel zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich

Foto: Gareth Fuller / dpa

Großbritannien verliert als Handelspartner für Deutschland nach dem Brexit zunehmend an Bedeutung: In diesem Jahr wird das Vereinigte Königreich erstmals in der jüngeren Geschichte aus den Top Ten der deutschen Handelspartner fallen.

Das geht aus einer Analyse der bundeseigenen Gesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in London vorliegt.

Zwar wuchs der kalender- und saisonbereinigte Warenaustausch zwischen Januar und Oktober um 13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum; dies lag allerdings vor allem an der Inflation. Und der gesamte deutsche Außenhandel mit Waren nahm im gleichen Zeitraum um 20,7 Prozent zu.

Verunsicherung auf beiden Seiten

Zuletzt hatte Tschechien Großbritannien in der Rangliste der wichtigsten Handelspartner überholt. Der Vorsprung sei »signifikant und im November und Dezember kaum aufzuholen«, kommentierte GTAI.

»Die langsame Entwicklung im deutsch-britischen Außenhandel ist kein neuer Trend«, betont der Bericht. Seit 2017 sinkt die Bedeutung des Königreichs kontinuierlich. Im ersten vollen Jahr nach dem Brexit-Referendum lag es noch auf Platz fünf der wichtigsten Außenhandelspartner.

»Sowohl die Coronavirus-Pandemie, die energiepreisgetriebene Inflation als auch die geldpolitische Wende der Bank of England haben den britischen Wirtschaftsmotor aus dem Takt gebracht«, heißt es. »Die Folgen des Brexits verstärken den Effekt, weil der Handel über die Zollgrenze teurer geworden ist«, so die GTAI. Weiterhin herrsche Unsicherheit. »Auch knapp drei Jahre nach dem britischen EU-Austritt bleibt der wirtschaftspolitische Post-Brexit-Kurs des Landes unklar und verunsichert britische Unternehmen.«

Großbritannien hatte Ende Januar 2020 die Europäische Union verlassen und ist seit Januar 2021 auch nicht mehr Mitglied der EU-Zollunion und des EU-Binnenmarkts.

Zwar sichert der im letzten Moment vereinbarte Brexit-Handelsvertrag in den meisten Bereichen Zollfreiheit. Dennoch kommt es wegen gestiegener bürokratischer Anforderungen zu Schwierigkeiten im Handel. Die Einführung von teuren und aufwendigen Arbeitsvisa für Fachkräfte erschwert zudem die Zusammenarbeit.

Trübe Aussichten fürs kommende Jahr

Auch der Ausblick auf 2023 macht laut GTAI wenig Hoffnung – zumal Großbritannien nach Einschätzung der Bank of England in eine lange Rezession steuert und Unternehmen noch zögerlicher investieren dürften.

Das betrifft die Lieferung von Fahrzeugen, Industriemaschinen und chemischen Erzeugnissen, wo Deutschland zu den wichtigsten Lieferanten zählt. »Angesichts der bevorstehenden Rezession, steigender Finanzierungskosten und einer Anhebung der britischen Körperschaftsteuer von 19 auf 25 Prozent im April 2023 ist keine Trendwende in Sicht«, stellt der Bericht fest.

Für deutsche Unternehmen interessant seien vor allem einige kleinere Branchen, die sich trotz der Wirtschaftsprobleme deutlich stärker entwickelt haben. Dazu zählten das Gesundheitswesen, die Offshore-Windenergie und der Infrastrukturbau.

Gemischte Signale sieht die GTAI bei der wichtigen Automobilindustrie, dem bedeutendsten Pfeiler des deutsch-britischen Handels. Sollte der britische Pkw-Markt tatsächlich 2023 merklich zulegen, könnte dies eine Trendwende bedeuten, hieß es. Wichtiger Treiber sind E-Autos: Von 2030 an soll im Königreich der Neuwagenverkauf klassischer Verbrenner verboten werden.

che/dpa
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