Brexit Großbritannien rätselt über künftige Handelsbeziehungen zur EU

Vorbild Kanada oder Australien? Hauptsache Handel! Die Briten spekulieren über Boris Johnsons Ideen für den künftigen Warenverkehr zwischen der EU und dem Inselstaat.
Brexit gemacht - und wie weiter? Britische Medien halten eine enge Handelsbeziehung mit der Union für möglich. Oder deren Gegenteil

Brexit gemacht - und wie weiter? Britische Medien halten eine enge Handelsbeziehung mit der Union für möglich. Oder deren Gegenteil

Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS/ AFP

Der Brexit ist da, aber noch nicht ganz: Erst Ende 2020 ist die Übergangsphase vorbei, in der zwischen Großbritannien und der Europäischen Union die alten Regeln vorerst weiter gelten. Für die Zeit danach sollen ab Montag neue Schnittmengen gesucht werden.

Die Vorstellungen der Regierung in London sind dafür bislang uneindeutig: Premier Boris Johnson ist dem Brexit-freundlichen "Telegraph" zufolge zu einem Freihandelsabkommen mit der EU nach dem Vorbild Kanadas bereit. Seine Verhandlungsziele werde er in einer Rede am Montag vorstellen.

Erst kürzlich hatte der "Telegraph" berichtet, dass Johnson die Souveränität wichtiger sei als reibungsloser Handel. Dafür würde er Handelsschranken wie Zölle akzeptieren.

Eine namentlich nicht genannte Quelle aus der Regierung sagte der Agentur Reuters aber auch: "Es gibt nur zwei wahrscheinliche Ergebnisse: Freier Handel wie mit Kanada oder lockere Vereinbarungen wie mit Australien - und wir verfolgen beide Wege gern."

Johnson will Übergangsphase bislang nicht verlängern

Großbritanniens Außenminister Dominic Raab sagte am Sonntag, die EU solle London einen Freihandelsdeal nach kanadischem Vorbild anbieten. Selbst dann sei jedoch keine "enge Bindung" an die EU-Regeln nötig.

Der Ceta-Vertrag zwischen der EU und Kanada enthält viele Handels- und Zollerleichterungen. Im Gegenzug würde Johnson die EU-Standards bei Umweltschutz, Arbeitnehmerrechten und Lebensmittelhygiene nicht lockern, hieß es laut Nachrichtenagentur PA. Ceta auszuhandeln dauerte rund sieben Jahre. Mit Australien, einem wichtigen Handelspartner der EU-Staaten, gibt es bislang keine Übereinkunft, an ihr wird aber seit 2018 gearbeitet.

Auch der EU-Chefunterhändler Michel Barnier wird am Montag vorstellen, was er in den Gesprächen mit London erreichen will. Sein genaues Mandat bestimmen jedoch die 27 bleibenden EU-Staaten.

Nach dem Ausscheiden aus der EU in der Nacht zum Samstag ist Großbritannien in eine Übergangsphase eingetreten, in der fast alles wie vor dem Brexit bleibt. Bis Ende des Jahres wollen sich beide Seiten auf Regeln für die künftigen Beziehungen einigen. Gelingt das nicht, droht wieder ein harter Bruch.

Kritiker - darunter Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen oder EVP-Chef Manfred Weber - halten die Übergangsphase angesichts der komplexen Themen für zu kurz. Eine Verlängerung ist zwar möglich, wird aber von Johnson strikt abgelehnt. Die Verhandlungen zwischen der EU und Kanada über ein Freihandelsabkommen hatten mehrere Jahre gedauert.

cht/dpa/Reuters