Großbritannien IWF nennt Brexit-Verhandlungen größtes Wirtschaftsrisiko

Der Internationale Währungsfonds warnt vor den Folgen des Brexit für Großbritannien. Ein Scheitern der Verhandlungen mit der EU könne schwere Folgen haben.

Christine Lagarde
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Christine Lagarde


Die Verhandlungen über den Austritt aus der Europäischen Union sind nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) das größte Risiko für die Wirtschaft Großbritanniens. Falls es bei den Gesprächen schneller als erwartet zu Fortschritten komme, könne dies das Vertrauen stärken, schreibt der IWF in seinem am Mittwoch veröffentlichten Länderbericht zu Großbritannien. Ein Scheitern der Gespräche hingegen könnte zu einem ungeordneten Austritt aus der EU und einem Einbruch an den Finanzmärkten führen.

Das Wirtschaftswachstum habe sich bereits im laufenden Jahr trotz der starken Weltkonjunktur abgeschwächt, schreibt der Währungsfonds. Das Brexit-Votum habe den privaten Konsum belastet. Im neuen Jahr dürfte das Wirtschaftswachstum wie 2017 bei rund eineinhalb Prozent liegen. Einerseits sollte die robuste Weltwirtschaft die Exporte stützen. Andererseits dürften Unternehmen Investitionen aufschieben, bis es mehr Klarheit über das künftige Handelsverhältnis mit der EU gebe. Die Projektionen gehen davon aus, dass es zu weiteren Fortschritten bei den Brexit-Verhandlungen kommt.

Die hohe Inflation von 3,1 Prozent im November wird den Erwartungen des IWF zufolge schrittweise etwas zurückgehen, aber weiter deutlich über dem Zielwert der britischen Notenbank von zwei Prozent bleiben. Der Druck auf die Löhne nach Abzug der Teuerungsrate und den privaten Konsum sollte also anhalten. Das seit der Brexit-Entscheidung vom 23. Juni 2016 deutlich schwächere britische Pfund hat über steigende Einfuhrpreise zu einer höheren Inflation geführt.

IWF-Chefin Christine Lagarde verteidigte in London die Warnungen des Währungsfonds aus dem Jahr 2016 vor den Folgen des Brexit. Die Abschwächung der britischen Wirtschaft im vergangenen Jahr habe dem IWF recht gegeben. Es sei wie prognostiziert zu einer Abwertung des Pfunds, einem Anstieg der Inflation, fallenden Reallöhnen und einer Abschwächung des Wachstums gekommen. Austrittsbefürworter hatten den IWF vor dem Brexit für seine skeptischen Prognosen kritisiert.

asa/dpa



insgesamt 20 Beiträge
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helro56 20.12.2017
1. alles Panikmache gegen den Brexit...
denn, wenn er erst vollzogen ist und KEINE prognostizierten Nebenwirkungen auftreten, könnten sich ja auch andere Länder zu diesem Schritt entscheiden! aus Brüssel will mann die gängelei der einzelnen Länder aufrecht erhalten auf biegen und brechen ! die Frage stellt sich, wie lange noch kann das gutgehen? schon jetzt ist das vereinte Europa geteilt wie NIE zuvor und wird durch Brüssel das nächste Jahrhundert nicht überleben !
Cluedo 20.12.2017
2. Was hat man erwartet?
Dass sich Investoren, Unternehmen und Verbraucher auf die kommende britische Welt von Grenzkontrollen, Zöllen und sonstigen Handelshemmnissen freuen? - Wer den Brexit will, muss auch die wirtschaftlichen Folgen in Rechnung stellen. Busse mit "350-Millionen-pro Woche"-Slogans wirken vielleicht kurzfristig auf die Emotionen von nationalistischen Gemütern, haben aber offenbar nur sehr begrenzten wirtschaftsfördernden Effekt.
Cluedo 20.12.2017
3. Hauptsache auf "die EU" schimpfen! Auch wenn ...
Zitat von helro56denn, wenn er erst vollzogen ist und KEINE prognostizierten Nebenwirkungen auftreten, könnten sich ja auch andere Länder zu diesem Schritt entscheiden! aus Brüssel will mann die gängelei der einzelnen Länder aufrecht erhalten auf biegen und brechen ! die Frage stellt sich, wie lange noch kann das gutgehen? schon jetzt ist das vereinte Europa geteilt wie NIE zuvor und wird durch Brüssel das nächste Jahrhundert nicht überleben !
... Sie offenbar nicht lesen wollen, dass die Prognose nicht von der EU, sondern vom IWF stammt. - Aber solche Feinheiten haben chronische EU-Hasser ja noch nie interessiert .... Kleine Erinnerung: die Briten haben den Brexit gewählt, nun kriegen sie ihn auch - auch die "kleinen" Nebenwirkungen.
helro56 20.12.2017
4. der Wasserkopf in Brüssel wird sich so lange aufrechterhalten....
bis zum Ende! wenn es nicht mehr geht sich die eigenen Taschen vollzustopfen, ist es allerdings zu spät für ein gemeinsames Europa! dies wurde von Anfang an von weitsichtigen Ökonomen vorhehrgesehen und wird sich bewahrheiten! dies zu erkennen, braucht man gewiss kein Politologe sein !
PriseSalz 20.12.2017
5. Zensur
Und warum wurde mein Beitrag unterdrückt? "Liebe Frau Lagarde, ein Einbruch an den Finanzmärkten wird sicherlich nicht durch den Brexit verursacht. Dafür gibt es ganz andere, bekannte Gründe (Steueroasen, wiederrechtliche Finanzpolitik der EU uvam). Auch ist es falsch das der Brexit den 'privaten Konsum' belastet. Der wird nämlich durch die Finanzpolitik belastet, der vor allem der Masse der Steuerzahler, den kleinen und mittleren Einkommensempfängern ihren Lohn wegsteuert, während milliardenschwere Unternehmen mit Cents davonkommen. Frau Lagarde, eine Gesellschaft in der Arbeit und Wertschöpfung durch Steuer und Sozialabgaben drangsaliert wird, kann nicht nachhaltig sein. Nur ein Beispiel: Meine Frau, promoviert in Yale, verdient brutto knapp 4.800 USD. Knapp 2.600 (68%!) davon werden ihr abgezogen an Steuern, Sozialabgaben und diversen obskuren Solidaritätsbeiträgen, danach kommt noch die Mehrwertsteuer. Und nun wird sogar noch der 'Asphalt-Soli' ins Gespräch gebracht um marode Autobahnen in DE zu flicken. Dagegen sind Milliarden verfügbar um wirtschaftlich unfähige Banken zu unterstützen, marode Staaten - entgegen gültigem EU-Recht - zu finanzieren, grosszügig Sozialhilfe und Gesundheitshilfe an Menschen zu geben die mit unserem Sozialsystem aber auch gar nichts zu tun haben. Frau Lagarde, bitte, bitte, treten Sie ab zugunsten von Menschen, die von Wirtschaft etwas verstehen. Eine Frau Dr. Alice Weidel kommt mir da in den Sinn." Weil ich eine Politikerin der AfD erwähne?
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