Folgen des Brexits Nur jeder achte britische Exporteur profitiert vom Handelspakt mit EU

Mehr Kontrollen und Bürokratie, längere Wartezeiten an den Grenzen: Mehr als ein Jahr nach dem Brexit bewerten die meisten Unternehmen in Großbritannien die Bedingungen für den Handel mit der EU negativ.
Hafen von Dover: Höhere Kosten, mehr Bürokratie, Verzögerungen

Hafen von Dover: Höhere Kosten, mehr Bürokratie, Verzögerungen

Foto: GLYN KIRK / AFP

Ende 2020 gelang es der EU und Großbritannien nur noch äußerst knapp vor dem Brexit, einen neuen Handelspakt auszuhandeln. Doch aus diesem ziehen die allermeisten britischen Exporteure offenbar keinen Nutzen. In einer Umfrage des Verbands British Chambers of Commerce gaben lediglich zwölf Prozent der exportierenden Firmen an, der Handelspakt helfe ihnen dabei, ihr Geschäft zu steigern. Bei 71 Prozent war dies nicht der Fall.

Die Mehrheit der mehr als 1100 befragten Unternehmerinnen und Unternehmer gab an, höhere Kosten, mehr Bürokratie und Verzögerungen hätten Großbritannien in eine schlechtere Wettbewerbsposition gebracht. Zu einem fast gleichlautenden Urteil in Bezug auf die einzig feststellbaren Auswirkungen des Brexits ist erst vor Kurzem der für die Überwachung öffentlicher Ausgaben zuständige Parlamentsausschuss in London gekommen.

»Fast alle Unternehmen in dieser Umfrage haben weniger als 250 Beschäftigte, und diese kleineren Unternehmen spüren die neuen Hürden durch den Handelspakt am stärksten«, sagte Verbandschef William Bain. Die Firmen hätten weder Zeit noch Geld noch ausreichend Personal, um dem zusätzlichen Aufwand zu begegnen.

Der Verband rief die britische Regierung daher auf, sich in weiteren Gesprächen mit der EU für vereinfachte Kontrollen und gelockerte Regeln insbesondere im Lebensmittelbereich einzusetzen. Außerdem müssten britische Unternehmen stärker unterstützt werden, um mit den neuen Herausforderungen klarzukommen.

Der Handelspakt ermöglicht zwar weitgehend zollfreien Warenverkehr, allerdings hat sich der Handel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich trotzdem deutlich verkompliziert und ist daher zurückgegangen. Mehr als 60 Prozent der Briten bewerten die Folgen des Brexits inzwischen laut Umfragen als negativ.

fdi/dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.