Versorgungslage Verband warnt vor Lkw-Fahrermangel auch in Deutschland

Die Alten gehen in Rente, der Nachwuchs bleibt aus: Die Logistikbranche warnt auch hierzulande vor einer Situation wie in England. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied.
Leere Obst- und Gemüseregale in London

Leere Obst- und Gemüseregale in London

Foto: Frank Augstein / dpa

Leere Supermarktregale und lange Schlangen vor Tankstellen: In Großbritannien zeigt sich seit Wochen, was passiert, wenn Lastwagenfahrer fehlen. 100.000 Stellen seien offen, sagt die Road Haulage Association. Grund: der Brexit und die damit verbundenen strengeren Einwanderungsregeln. Massive Lieferprobleme sind die Folge. Seit Anfang der Woche hilft gar die Armee aus.

Nun warnt der Bundesverband Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), dass es auch hierzulande solche Szenen geben könnte, sollten nicht bald Mittel gegen den Fahrermangel gefunden werden: »Wir laufen auch in Deutschland in einen schleichenden Versorgungskollaps«, sagt BGL-Vorstand Dirk Engelhardt. Es drohe schon länger eine ähnliche Situation wie auf der Insel. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssten »endlich wach werden und dem Fahrermangel in einem gesamtgesellschaftlichen Kraftakt entschlossen entgegentreten.«

35.000 Fahrerinnen und Fahrer scheiden jedes Jahr aus dem Beruf aus, nur 15.000 neue werden in Deutschland ausgebildet. Seit Jahren klagt die Branche über den Fachkräftemangel. Früher seien viele Fahrer von der Bundeswehr gekommen, wo sie im Rahmen des Wehrdienstes kostenlos einen Lkw-Führerschein machen und anschließend bei Speditionen anheuern konnten. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht ist es damit vorbei. Auch den rauen Ton und die starren, familienunfreundlichen Arbeitsbedingungen hält die Branche für Hürden.

Widerspruch kommt ausgerechnet von den Gewerkschaften. »Ich sehe für Deutschland nicht, dass das akut wird«, sagt Stefan Thyroke, Leiter der Ver.di-Fachgruppe Spedition und Logistik. Kurzfristig könnte es sogar eine Entlastung auf dem kontinentalen Festland geben, weil viele Fahrerinnen und Fahrer nun aus Großbritannien in die EU kämen.

Hinzu kommt aus seiner Sicht: »Es sprechen alle vom Fahrermangel, aber damit ist nur der Fahrermangel von ortsansässig Beschäftigten gemeint.« Fahrer aus osteuropäischen Ländern kompensierten schon lange den Nachwuchsmangel der Branche in Deutschland und anderswo.

sbo/dpa
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