Brief an die Mitarbeiter Telekom-Chef läutet neue Sparrunde ein

Die Sanierungspläne der Deutschen Telekom werden konkreter: In einem Brief an die Mitarbeiter kündigt Konzernchef Obermann harte Einschnitte an. Die Gewerkschaft Ver.di fürchtet Gehaltseinbußen für 45.000 Beschäftigte.


Berlin - Im Vergleich zu anderen Firmen und Branchen biete die Deutsche Telekom Chart zeigen "immer noch komfortable Rahmenbedingungen und eine gute Bezahlung", erklärt der neue Telekom-Chef René Obermann in einem Brief an die Beschäftigten. Der Vorstandschef fügt hinzu: "Ehrlich gesagt, wird dies nicht so bleiben können, weil wir unsere Kosten dringend senken müssen. Leider eben auch unsere Personalkosten." Im Januar will die Telekom mit den Gewerkschaften über Lohnsenkungen, verlängerte und flexiblere Arbeitszeiten verhandeln.

Obermann: "Kosten runter, Service verbessern"
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Obermann: "Kosten runter, Service verbessern"

Der Gewerkschaft Ver.di liegen zwar noch keine abschließenden Pläne vor. Man interpretiere den Brief aber so, dass 45.000 Beschäftigte in eine Servicegesellschaft ausgelagert werden sollen, sagte eine Gewerkschaftssprecherin zu SPIEGEL ONLINE. Dort sollen sie dann weniger Geld verdienen als bisher.

Zum Umfang der Kürzungen machte die Ver.di-Sprecherin keine Angaben. "Uns liegt noch kein rundes Konzept vor", sagte sie. "Einerseits soll die Zahl der Mitarbeiter sinken, andererseits soll die Arbeitszeit steigen und der Service besser werden. Das passt nicht zusammen." Für die Beschäftigten bedeute Obermanns Brief keinen guten Start ins Jahr.

"Wir müssen schnell handeln"

Obermann hatte sich für das laufende Jahr die Verteidigung von Marktanteilen, Kostensenkung und die Verbesserung des Service auf die Fahnen geschrieben. "Um langfristig bestehen zu können, werden wir 2007 in unserem Unternehmen einiges verändern müssen", schrieb Obermann.

"Wir müssen schnell handeln! Kosten runter, Service verbessern und unsere Preise wettbewerbsfähig machen - dann und nur dann haben wir als 'T' eine gute Perspektive", hieß es in dem Schreiben. Ein "Weiter so" gefährde langfristig das ganze Unternehmen.

Damit die Telekom möglichst vielen Menschen eine langfristige Beschäftigungsperspektive sichern könne, müsse sie "deutlich produktiver werden und von einigen Gewohnheiten Abschied nehmen, um so die Kosten pro Arbeitsstunde zu senken", betonte Obermann. Die Deutsche Telekom hat derzeit weltweit 250.000 Beschäftigte, davon 180.000 in Deutschland. Anfang des vergangenen Jahres hatte das ehemalige Staatsunternehmen ein Programm zum Abbau von 32.000 Stellen eingeleitet, das 2008 abgeschlossen werden soll.

Telekom will Breitbandgeschäft ausbauen

Der Kundenschwund sei nicht alleine Folge der Regulierung, wenngleich Marktanteilsverluste und Renditeprobleme durch sie erheblich verstärkt würden, schrieb Obermann. Es gebe erhebliche Mängel im Service, was Kunden nicht nur mit Beschwerden, sondern auch mit Kündigungen quittierten. Zudem würden die Angebote der Telekom trotz der jüngsten Preissenkungen häufig als zu teuer empfunden. "Der Markt akzeptiert unsere hohen Kosten nicht mehr", konstatierte der Vorstandschef. Dieses Image lasse sich nur langfristig verändern. Viele Kunden seien der Ansicht, dass die Servicequalität die Preise nicht rechtfertige, andere legten ohnehin nur Wert auf niedrige Preise.

In seinem Brief zeichnete Obermann ein düsteres Bild von der aktuellen Lage der Telekom. Es sei nicht zu erwarten, dass sich der Verlust von Festnetzkunden kurzfristig stoppen lasse. Dieser Trend könne sich "kurzfristig sogar verschärfen". Ihre größten Anstrengungen werde die Telekom auf den Ausbau des Breitbandgeschäfts richten. "Darin liegt unsere Chance auf Wachstum", betonte der Vorstandschef. Obermann hatte im November Kai-Uwe Ricke an der Spitze des Unternehmens abgelöst.

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom und Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder kritisierte die Ankündigungen. "Einschnitte sind kein guter Vorsatz für das neue Jahr. Obermann verbreitet die alten Ansichten seines Vorgängers." Die Telekom sei kein Sanierungsfall und es gebe keinen Anlass, die Konditionen zu kürzen. Die Mitarbeiter würden hierdurch nicht motiviert, sagte Schröder weiter.

tim/wal/AFP/dpa/Reuters



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