Buchhaltungsfehler Ford muss Bilanzen neu berechnen

Die Verkündung der Quartalszahlen ist bei Ford schon lange eher unangenehm. Doch heute wurde es richtig peinlich: Der Krisenautobauer musste ein Minus von sechs Milliarden Dollar erklären - und Buchhaltungsfehler eingestehen, die eine Neuberechnung sämtlicher Bilanzen seit 2001 nötig machen.


Detroit - Zinsderivate (Swaps), mit denen Ford seine Schulden absichere, seien falsch verbucht worden, erklärte Ford heute. Deshalb müssten die Bilanzen seit 2001 neu berechnet werden. Immerhin - für das Geschäftsjahr 2002 werde dies wahrscheinlich eine Ergebnisverbesserung nach sich ziehen. Auf die Barmittel des Konzerns werde sich die Neuberechnung außerdem insgesamt nicht auswirken.

Ford in Goodyear: "Diese Geschäftsergebnisse sind eindeutig inakzeptabel"
AP

Ford in Goodyear: "Diese Geschäftsergebnisse sind eindeutig inakzeptabel"

Peinlich sind die Patzer trotzdem, zumal es heute nicht die einzigen Katastrophenmeldungen aus Detroit waren. Zugleich musste Ford mitteilen, dass der Konzern zwischen Juli und September ein sattes Minus von 5,8 Milliarden Dollar gemacht hat. Im Vorjahresquartal hatte der Verlust erst 284 Millionen Dollar betragen. Der Umsatz betrug 36,7 Milliarden Dollar, was einem Rückgang von 4,1 Milliarden Dollar entspricht.

"Diese Geschäftsergebnisse sind eindeutig inakzeptabel", sagte Ford-Chef Alan Mulally. Der Verlust resultierte vor allem aus Restrukturierungskosten, die insgesamt einen Fehlbetrag von 5,3 Milliarden Dollar ausmachten. Der Konzern hat sich ein Sanierungsprogramm verordnet, das unter anderem den Abbau von derzeit 130.000 auf rund 92.000 Stellen bis 2008 in Nordamerika vorsieht.

Nach Abzug aller Sondereffekte betrug der Quartalsverlust aber immer noch 1,2 Milliarden Dollar oder 62 Cent je Aktie gegenüber 191 Millionen Dollar oder 10 Cent je Aktie im Vorjahr. Allerdings gilt das dritte Quartal traditionell als das schwächste in der Branche. Dass die Zahlen schlimm aussehen würden, hatten Experten so bereits erwartet. Von Thomson Financial befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 61 Cent je Aktie gerechnet.

Vor allem in USA tut sich Ford schwer

Vor allem die Umsätze im Nordamerika-Geschäft schrumpften, auf nur noch 15,4 Milliarden Dollar von zuvor 18,2 Milliarden. Ford leidet auf seinem Heimatmarkt seit geraumer Zeit unter sinkenden Marktanteilen wegen der hohen Spritpreisen sowie der harten Konkurrenz vor allem durch asiatische Autobauer.

In seinem zweitwichtigsten Markt in Europa verzeichnete Ford einen auf 13 Millionen Dollar gesunkenen Vorsteuerverlust nach 55 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte um rund 900 Millionen auf 7,3 Milliarden Dollar zu, allerdings musste Ford in Europa mehr Geld für Pensionen aufwenden.

Deutlicher Verlustbringer im Konzern war erneut die Premier Automotive Group (PAG), in der Ford seine Marken Jaguar, Land Rover und Auston Martin vereint hat. Das Minus versechsfachte sich beinahe auf 593 Millionen Dollar. Der Umsatz ging auf 6,5 von zuvor 6,8 Milliarden Dollar zurück.

ase/AP/dpa-AFX/Reuters



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