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24. Juli 2007, 15:40 Uhr

Bundesagentur

Arbeitslosenzahl erst 2011 unter drei Millionen

Arbeitsagentur-Chef Weise hat vor übertriebenem Optimismus am Arbeitsmarkt gewarnt. Die Zahl der Jobsuchenden sinke erst im Jahr 2011 unter drei Millionen - trotz aller Erfolge im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.

Berlin - Es könne noch Jahre dauern, bis die Arbeitslosenzahl unter die Marke von drei Millionen fällt, sagte Weise der "Welt". Die Bundesregierung erwarte bis zum Jahr 2011 eine Arbeitslosenzahl von 3,2 Millionen im Jahresschnitt. "Angesichts der starken Schwankungen im Jahresverlauf könnte die Marke von drei Millionen in sehr guten Monaten, etwa in einem September oder Oktober, unterschritten werden", sagte Weise.

Eingang einer Arbeitsagentur: "Richtige Reformentscheidungen getroffen"
DDP

Eingang einer Arbeitsagentur: "Richtige Reformentscheidungen getroffen"

Gering qualifizierte Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund und Ältere, die schon lange nicht mehr gearbeitet haben, hätten trotz der guten Konjunktur Probleme am Arbeitsmarkt, sagte der BA-Vorstandschef dem Blatt zufolge. Schwierig sei auch, dass im Hartz-IV-System Menschen erfasst würden, selbst wenn sie nur drei Stunden am Tag arbeiten können. "In anderen Ländern gelten diese Arbeitslosen als erwerbsunfähig und bekommen dann eine Rente", sagte Weise. "Viele von diesen Menschen können wir nur sehr langsam in den Arbeitsmarkt bringen." Immerhin sei die Zahl der Arbeitslosen in der Grundsicherung im Vergleich zum Vorjahr um 345.000 gesunken. "Es bewegt sich also etwas."

Zugleich verwies Weise auf die Erfolge im Kampf gegen Arbeitslosigkeit. "Wir haben die richtigen Reformentscheidungen getroffen, das zahlt sich nun aus. Wir haben aber auch Glück: Ohne die gute Konjunktur wäre der Erfolg aber nicht so sichtbar. Deshalb sind die Lage am Arbeitsmarkt und die finanzielle Entwicklung der BA viel besser als erwartet."

Optimistisch äußerte sich Weise zu möglichen Beitragssenkungen: "Es gibt Spielraum für weitere Beitragssatzsenkungen, über die bereits beschlossene Senkung auf 3,9 Prozent hinaus. Für den Arbeitsmarkt würde sich das positiv auswirken. Bei einer Senkung um einen Prozentpunkt könnten 100.000 neue Arbeitsplätze entstehen."

Kritik übte der BA-Chef an Finanzminister Steinbrück, der fünf Milliarden Euro für seine Haushaltskasse abzweigen will, um davon Maßnahmen für Langzeitarbeitslose zu finanzieren. "Das ist eine politische Entscheidung, die von unserem Verwaltungsrat scharf kritisiert wurde. Auch ich finde das bedauerlich. Wir haben es gerade geschafft, effizienter und besser zu werden", meinte Weise.

sam/dpa-AFX/AP

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