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12. Juli 2019, 20:19 Uhr

Geschasste Finanzchefin der Bundesagentur

Schlammschlacht ohne Sieger

Ein Kommentar von

Ein beispielloser und intriganter Machtkampf: Der Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit drängt Valerie Holsboer aus dem Amt - die erste und bislang einzige Frau im Vorstand. Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende.

Wochenlang wurde in aller Öffentlichkeit eine Schlammschlacht um eine Spitzenpersonalie in der größten Behörde Deutschlands ausgetragen. In der Bundesagentur für Arbeit sind fast 100.000 Menschen beschäftigt. Sie verantwortet ein Budget von 35 Milliarden Euro. Ein gigantischer Apparat also, der in Zeiten des Umbruchs, von Digitalisierung, der Mobilitätswende und konjunktureller Schwäche sich eigentlich um das Wohl und die Ängste der Menschen auf dem Arbeitsmarkt stärker denn je kümmern müsste.

Wobei "öffentlich" nur die halbe Wahrheit benennt. Der Machtkampf wurde zwar vor Publikum in den Medien ausgetragen, souffliert wurde er aber anonym von Gegnern und Befürwortern von Valerie Holsboer, die erste und bislang einzige Frau im Vorstand der Behörde. Nun ist der Kampf entschieden. Nach nur zwei Jahren im Amt wird Holsboer abgelöst, obwohl ihr Vertrag noch bis 2022 gelaufen wäre - betrieben ausgerechnet von den Arbeitgebervertretern im Verwaltungsrat, die sie 2017 selber ins Amt gehoben hatten.

Es seien nur fachliche Gründe für die Entscheidung gewesen, hieß es bei diesen, sie sei der Aufgabe nicht gewachsen gewesen. Das stimme nicht, sagen ihre Befürworter. Das Verschulden Holsboers sei gewesen, dass sie nur nicht willfährig genug die Wünsche der Arbeitgeber umgesetzt habe.

Was auch immer die wahren Gründe gewesen sein mögen - sie spielen längst nur noch eine Nebenrolle, denn diese Auseinandersetzung kennt nur Verlierer:

Dass jetzt Ruhe in der Bundesagentur für Arbeit einkehrt, ist eine Illusion. Nun werden die Nachhutgefechte über die Deutungshoheit beginnen. Der Machtkampf hat auch Gräben zwischen den Mitarbeitern der Behörde aufgerissen.

Gut möglich, dass sich der Verwaltungsrat mit dieser Entscheidung einen Bärendienst erwiesen hat. Denn es stellt sich die Frage, welchen Sinn die sogenannte Selbstverwaltung einer Behörde macht, wenn das Aufsichtsgremium selber den Ruf des Ladens derart ramponiert.

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