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27. September 2012, 13:26 Uhr

Fachkräftemangel

Arbeitsagentur wirbt um Altenpfleger aus China

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Die Bundesagentur für Arbeit startet ein ungewöhnliches Projekt: Sie wirbt 150 Altenpfleger aus China an, weil es in Deutschland zu wenig Fachkräfte gibt. Die Werbetour in der Volksrepublik ist nur der Anfang, weitere Länder sollen folgen.

Nürnberg - Die Bundesagentur für Arbeit geht neue Wege bei der Anwerbung von Fachkräften. Im Januar 2013 startet die Auslandsvermittlung der Agentur (ZAV) ein Pilotprojekt in China. Die Behörde will zunächst 150 Altenpfleger rekrutieren, um sie an Kliniken in ganz Deutschland zu vermitteln. Ein entsprechendes Abkommen der ZAV mit einer chinesischen Partnereinrichtung wird derzeit ausgearbeitet.

Die Anforderungen sind hoch: Die chinesischen Kräfte sollten eine abgeschlossene Schul- und eine Berufsausbildung mitbringen, sagt ZAV-Leiterin Monika Varnhagen. Voraussetzung sei auch "der Wille, die deutsche Sprache zu erlernen". Laut Varnhagen ist es geplant, die interessierten Fachkräfte in China in Kursen auf die deutsche Kultur und Sprache vorzubereiten. In Deutschland werden die Schulungen fortgesetzt. Damit sollen Fehler, wie sie bei Gastarbeitern in den sechziger Jahren gemacht wurden, verhindert werden.

"Für uns ist das Projekt ein völlig neuer Ansatz", sagt Varnhagen. Bislang habe ihre Behörde mit der chinesischen Partnereinrichtung Chinca vor allem dann zu tun gehabt, wenn es um die Vermittlung von Spezialitätenköchen gegangen sei. Nicht gerade ein Mangelberuf in Deutschland. Bei der Anwerbung von Pflegekräften aus China gehe es aber darum, einen Engpass zu überbrücken. "Die Kliniken finden nicht mehr genügend Personal für die Altenpflege", sagt Varnhagen.

Tatsächlich ist der Fachkräftemangel in der Pflege schon heute groß: Bei der Arbeitsagentur waren zuletzt mehr als 14.000 offene Stellen gemeldet. Das dürften bei weitem nicht alle sein, denn viele Unternehmen suchen auf eigene Faust nach Mitarbeitern und melden ihre freien Jobs nicht der Arbeitsagentur. Angesichts einer alternden Gesellschaft wird der Bedarf zunehmend größer.

Ausweitung geplant

Wirtschaftsverbände hofften daher auf einen Schub neuer Fachkräfte aus Osteuropa, als im Mai 2011 die letzten Schranken für die Arbeitnehmerfreizügigkeit fielen. Doch die Erwartungen waren viel zu groß. Auch ein Fachkräfteansturm aus den kriselnden südeuropäischen Staaten wie Spanien oder Griechenland ist ausgeblieben. Nach ZAV-Angaben sind in diesem Jahr bisher insgesamt nur einige hundert Fachkräfte aus diesen Ländern über die Behörde vermittelt worden. Im Pflegebereich dürften es noch deutlich weniger gewesen sein, schon allein deshalb, weil diese Länder auch ein demografisches Problem haben. Das geringe Interesse mag zudem an den niedrigen Gehältern in der Branche liegen.

Nun richten die Kliniken und die ZAV ihre Hoffnungen auf Asien. Gemessen an chinesischen Einkommen sind die für Pflegekräfte in Deutschland nämlich üppig. Nicht nur deshalb hält Varnhagen es für möglich, dass die Initiative zum Erfolg wird. "In China leben viele junge Menschen, die ihr Glück im Ausland suchen und dafür bereit sind, viel zu investieren."

Die ZAV-Leiterin hofft sogar, das Projekt auf andere asiatische Staaten ausweiten zu können. Die Planung dafür läuft bereits.

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