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17. November 2003, 13:19 Uhr

Bundesbank-Bericht

Konjunkturwende ist geschafft

Nach einem leichten Konjunkturaufschwung im Sommer sehen die Volkswirte der Bundesbank eine Wende zum Besseren. Bislang jedoch sei der Aufschwung lediglich vom Export getragen. Im Inland sei die Nachfrage nach wie vor schwach.

Sorgenbranche: Die Auftragslage in der Bauwirtschaft ist nach wie vor unbefriedigend
DDP

Sorgenbranche: Die Auftragslage in der Bauwirtschaft ist nach wie vor unbefriedigend

Frankfurt am Main - "Ob eine nachhaltige und breit fundierte konjunkturelle Besserung schon früh im nächsten Jahr einsetzen wird, bleibt nach dem vorliegenden Indikatorenbild abzuwarten", schreiben die Volkswirte in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Zentralbank für November.

Der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal um 0,2 Prozent zum Vorquartal sei in erster Linie durch verstärkte Nachfrage aus dem Ausland erwirtschaftet worden. "Im Inland sind kaum Wachstumsimpulse auszumachen." So sei weiter kaum in Ausrüstungen investiert worden. "Angesichts der fortdauernden Unterauslastung der Kapazitäten bestand auch kaum die Notwendigkeit einer Ausweitung der Produktionsspielräume."

Die Auftragslage der Industrie und der Bauwirtschaft sowie die nach wie vor schwache Konsumbereitschaft der Bürger ließen deshalb erwarten, dass die günstigen Faktoren erst im Jahresverlauf 2004 verstärkt zum Tragen kommen würden.

Von diesen günstigen Faktoren finden sich in den verfügbaren Wirtschaftsdaten und Frühindikatoren immerhin einige. Angesichts zuletzt beständig gestiegener Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklimaindex gehen die meisten Ökonomen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im Sommer die Wende nach fast drei Jahren Stagnation geschafft hat und 2004 wieder mit 1,5 bis 2,0 Prozent wachsen kann.

"Die aktuellen Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen bestätigen die Einschätzung, dass sich der Konjunkturverlauf leicht ins Positive gewendet hat". Die Erholung der Weltkonjunktur und die Fortschritte der Unternehmen bei der Konsolidierung ihrer Bilanzen stützten die Zuversicht für die weitere Wirtschaftsentwicklung in Deutschland, heißt es in dem Bericht.

Die Kauffreude der deutschen Verbraucher wird der Bundesbank zufolge weiter durch die hohe Arbeitslosigkeit und die Diskussionen über neue Abgaben oder Kürzungen bei den Reformen der sozialen Sicherungssysteme gedämpft. "Wenngleich die verfügbaren Einkommen weitgehend unverändert blieben, dürfte die private Sparquote erneut gestiegen sein", hieß es im Bericht.

Von Bundesfinanzminister Hans Eichel wünschen sich die Zentralbanker dagegen mehr Haushaltsdisziplin. Das Vorziehen der Steuerreform dürfe keinesfalls zu einem neuerlichen Anwachsen der Staatsschulden führen, lautet die Empfehlung des Monatsberichts. Die Defizitgrenze des Stabilitätspakts müsse im kommenden Jahr unbedingt eingehalten werden.

"Um den Pakt als Garant einer stabilitätsorientierten Finanzpolitik in der EWU nicht weiter zu beschädigen, müsste ein Vorziehen der dritten Stufe der Steuerreform mit umfassenden Konsolidierungsmaßnahmen verknüpft werden". Die Glaubwürdigkeit des finanzpolitischen Regelwerks solle nicht gefährdet werden, indem Deutschland im dritten Jahr in Folge ein Defizit über drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufweise. Die Finanzpolitik rücke derzeit jedoch davon ab, die Drei-Prozent-Grenze einzuhalten.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wie auch die Wirtschaftsweisen gehen in ihren Prognosen davon aus, dass Deutschland auch im kommenden Jahr die EU-Grenze überschreitet.

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