Bundesbank-Chef Welteke Hinweise auf Insider-Geschäfte vor Terroranschlag

Der Verdacht scheint sich zu erhärten. Der Deutschen Bundesbank liegen Hinweise vor, dass es im Zusammenhang mit den Anschlägen in den USA zu Insider-Geschäften gekommen ist.


Hegt Verdacht: Ernst Welteke
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Hegt Verdacht: Ernst Welteke

Lüttich - Auf die Frage, ob "Insider-Terroristen" von den Anschlägen profitiert haben könnten, sagte Bundesbank-Präsident Ernst Welteke: "Der Verdacht besteht auch in Deutschland." Entsprechende Recherchen ließen diesen Schluss zu. Er erklärte beim EU-Finanzministertreffen im belgischen Lüttich, er habe seine Mitarbeiter aufgefordert, entsprechende Untersuchungen anzustellen, nachdem Gerüchte über Insider-Geschäfte aufgekommen waren.

Osama Bin Laden steht nicht nur im Verdacht, Drahtzieher der monströsen Terroranschläge von New York und Washington zu sein. Mit Hilfe seines Insiderwissens könnte er an den Börsen darüber hinaus Millionen abgegriffen haben.

"Ausgehend von den Kenntnissen, die wir über die Abwicklung von finanziellen Geschäften Bin Ladens über seine verschiedenen Organisationen haben, halten wir ihn für clever genug, um etwas in dieser Art zu tun", hatte schon vor Tagen Kimberly McCloud, Research Associate beim kalifornischen Monterey Institute of International Studies, gesagt.

Aktien von Versicherungen und Airlines im Visier der Ermittler

Die Wertpapieraufsichtbehörden in verschiedenen Ländern hatten angekündigt, deutliche Kursbewegungen vor den Terroranschlägen in den USA auf eine mögliche Verbindung zu den Attacken hin zu untersuchen. Vor allem über Spekulationen auf fallende Aktienkurse der direkt betroffenen Branchen wie Versicherungen und Fluggesellschaften war in den Medien berichtet worden. So soll es zum Beispiel in Chikago am 6. Und 7 September eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Verkaufsoptionen für Aktien der Fluggesellschaften United Airlines und American Airlines, deren Jets für die Anschläge verwendet wurden, gegeben haben

So könnte es etwa zu so genannten "short sellings" gekommen sein, bei denen Marktteilnehmer Aktien verkaufen, die sie gar nicht besitzen. Dazu leiht sich der "Leerverkäufer" die entsprechenden Papiere, die er später dann zu deutlich günstigeren Kursen am Markt erwirbt und dem Verleiher zurückgibt.

Normalerweise ist das Risiko bei dieser auf fallende Kurse setzenden Strategie sehr hoch, weil sich eventuelle Verluste nicht - etwa durch weiteres Halten der Aktie - ausgleichen lassen. Auf der anderen Seite lassen sich extrem hohe Profite erzielen, wenn die Kurse wie erwartet fallen.

Der Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, hatte dem "Wall Street Journal" gesagt: "Wir haben diese Berichte über terroristisches Engagement in unseren Märkten registriert. Unsere Untersuchungsabteilung hat eine Reihe von Transaktionen im Markt untersucht, die in einen Zusammenhang mit diesen schrecklichen terroristischen Akten in Verbindung gebracht werden könnten, die Verdächtigen dieser Spekulationen eingeschlossen." Nähere Informationen zu den Untersuchungen wollte Pitt aber nicht geben.

Auch deutsches Bundesaufsichtsamt prüft

Auch das deutsche Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BaWe) hatte nach den Anschlägen damit begonnen, deutsche Aktienkurse auf ungewöhnliche Bewegungen hin zu überprüfen. "Wir schauen uns routinemäßig die Kurse verschiedener Aktien an", sagte eine BAWe-Sprecherin.

Die japanische Wertpapieraufsichtsbehörde hatte bereits vergangene Woche angekündigt, ungewöhnliche Aktivitäten im Handel an den Börsen Tokio und Osaka zur Zeit der Anschläge mit Blick auf Bin Laden zu prüfen.



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