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16. Januar 2013, 14:19 Uhr

Goldschatz der Bundesbank

700 Tonnen Gold reisen nach Frankfurt

Die Bundesbank beugt sich dem öffentlichen Druck und will künftig die Hälfte ihrer gewaltigen Reserven in Deutschland lagern. Die Barren, die aus New York und Paris zurückgeholt werden sollen, haben einen Wert von 27 Milliarden Dollar.

Frankfurt - Die Bundesbank holt einen Großteil ihrer Goldreserven nach Deutschland. Rund 700 Tonnen sollen nach und nach von New York und Paris nach Frankfurt gebracht werden. "Wir werden in diesem Jahr beginnen und spätestens im Jahr 2020 enden", sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele am Mittwoch. Damit reagiert die Notenbank auf den gestiegenen öffentlichen Druck.

"Wir wollen weiter Vertrauen schaffen", sagte Thiele. Ziel sei, ab 2020 die Hälfte der deutschen Goldreserven in eigenen Tresoren im Inland aufzubewahren. Die Barren, die aus dem Ausland geholt werden, sind nach aktuellen Preisen zusammen ungefähr 27 Milliarden Euro Wert.

Derzeit lagert der Großteil des Milliardenschatzes im Ausland, größtenteils bei der US-Notenbank Fed. Die Barren waren vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren als Bezahlung hoher deutscher Außenhandelsüberschüsse in das Eigentum der Deutschen Bundesbank übergegangen.

Deutschland hat den zweitgrößten Goldschatz der Welt

Im Herbst war eine öffentliche Debatte über die Sicherheit des deutschen Goldes entflammt. Der Bundesrechnungshof hatte "angesichts des hohen Werts der bei ausländischen Notenbanken gelagerten Goldbestände und der Tatsache, dass diese noch nie aufgenommen wurden", regelmäßige Stichproben gefordert. Einzelne Politiker fürchteten, die Währungshüter hätten die Kontrolle über das deutsche Gold aus der Hand gegeben.

Deutschland verfügt heute nach den USA über den zweitgrößten Goldschatz der Welt - mit einem Marktwert von 137,5 Milliarden Euro. Derzeit lagern 31 Prozent des Goldes in Deutschland und fast die Hälfte in Tresoren der Fed in New York.

Dieser Anteil soll in den kommenden Jahren auf 37 Prozent sinken. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen schrittweise rund 300 Tonnen aus New York nach Frankfurt geholt werden. Auch die 374 Tonnen, die aktuell von der Banque de France in Paris verwahrt werden, sollen nach Deutschland kommen. In London soll auch weiterhin etwas mehr als ein Zehntel des Goldschatzes gelagert bleiben.

Zeitplan ist geheim

Nach der Einführung des Euro sei es nicht mehr nötig, deutsches Gold in Paris zu lagern, um im Krisenfall an Francs zu kommen, sagte Thiele. Zudem seien Tresore auf dem Gelände der Bundesbank im Frankfurter Norden frei geworden. Die Bundesbank hatte bereits vor zehn Jahren einen Teil ihres Goldes aus London geholt.

Den kompletten deutschen Goldschatz nach Deutschland holen will die Bundesbank nach wie vor nicht. Die Notenbank will sich die Möglichkeit bewahren, das Gold im Fall einer Währungskrise schnell in Devisen wie Dollar umzutauschen.

Zum genauen Zeitplan und zur Art des Transports wollte sich Thiele aus Sicherheitsgründen nicht äußern. Die Kosten seien im Verhältnis zum Wert des Goldes "überschaubar, so dass wir sagen, das ist wirtschaftlich für die Bundesbank tragbar". Eine konkrete Zahl zu den Kosten nannte Thiele nicht.

stk/dpa/Reuters

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