Warnung der Bundesbank Inflation in Deutschland wohl weiterhin »außerordentlich hoch«

In ihrem ersten Bericht des Jahres machen die Volkswirte der Bundesbank wenig Hoffnung auf einen schnellen Rückgang der Inflation. Die Zentralbank will zudem die Auswirkungen des Klimawandels stärker in den Blick nehmen.
Bundesbankzentrale in Frankfurt am Main: Deutsche Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2021 gesunken

Bundesbankzentrale in Frankfurt am Main: Deutsche Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2021 gesunken

Foto: Arne Dedert/ picture alliance/dpa

Die Bundesbank rechnet zum Jahresauftakt mit einem gleichbleibend extrem hohen Preisdruck. Die Inflationsrate dürfte »weiterhin außerordentlich hoch bleiben«, warnt die deutsche Zentralbank in ihrem am Montag vorgelegten Monatsbericht . Dies zeichne sich ab, obwohl mehrere Sondereffekte entfielen, die voriges Jahr mit zum Preisauftrieb beitrugen.

Dazu zählt die Bundesbank unter anderem die Einführung des Klimapakets und die Rücknahme der vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuersätze. Hinzu kam demnach, dass sich Dienstleistungen und Industriegüter ohne Energie 2021 vor allem wegen Lieferengpässen und Preisanhebungen zum Ausgleich zuvor erlittener Gewinneinbußen zeitweise überaus kräftig verteuerten: Diese Faktoren würden nun auch »ins neue Jahr hineinwirken«, so die Bundesbank-Volkswirte: »Hinzu kommt, dass aufgrund der erheblich angestiegenen Marktnotierungen für Erdgas die entsprechenden Endkundentarife kräftig angehoben werden.«

Im Dezember 2021 waren die Verbraucherpreise um 5,3 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit 1992 nicht mehr. Bereits in seiner Ernennungsrede Anfang Januar hatte der neue Präsident der Bundesbank, Joachim Nagel, gewarnt, »dass die Inflationsrate länger erhöht bleiben könnte als gegenwärtig erwartet«. Die Geldpolitik müsse »auf alle Fälle auf der Hut sein«.

Bundesbankpräsident Nagel (l.) bei seiner Ernennung: »Die Geldpolitik muss auf der Hut sein«

Bundesbankpräsident Nagel (l.) bei seiner Ernennung: »Die Geldpolitik muss auf der Hut sein«

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2021 war die Inflation sprunghaft auf 3,1 Prozent gestiegen. Eine höhere Jahresrate wurde zuletzt vor fast 30 Jahren ermittelt – 1993 mit damals 4,5 Prozent. In den kommenden Monaten dürfte sie laut Prognose des Münchner ifo-Instituts über vier Prozent liegen und sich erst gegen Ende 2022 allmählich der Zweiprozentmarke nähern.

Wirtschaftsleistung im letzten Quartal 2021 wohl geschrumpft

Zudem vermuten die Volkswirtinnen und Volkswirte einen leichten Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung zum Jahresende 2021. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im Schlussquartal »etwas gesunken sein«, hieß es in dem Bericht. Grund dafür sei vor allem das wieder verstärkte Pandemiegeschehen. Dadurch sei der Dienstleistungssektor insbesondere im Dezember teilweise deutlich belastet worden. Die vorläufigen BIP-Daten für das vierte Quartal werden am Freitag veröffentlicht. Das Statistische Bundesamt hatte in einer ersten groben Schätzung einen Rückgang um 0,5 bis 1,0 Prozent veranschlagt.

Klimawandel stärker im Fokus

Bei ihren Analysen will die Bundesbank künftig das Thema Klima stärker in den Fokus nehmen. »Klimawandel und Klimapolitik beeinflussen die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und können die Preis- und Finanzstabilität tangieren. Die Erfüllung der Notenbankaufgaben kann sich dadurch erschweren«, hieß es in dem Papier weiter.

»Beispielsweise können physische Risiken wie der Anstieg der Durchschnittstemperaturen oder die Häufung von Extremwetterereignissen das gesamtwirtschaftliche Wachstum nachhaltig schwächen.« In diesem Zusammenhang stelle sich auch die Frage, welche Auswirkungen eine steigende Erderwärmung auf die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland haben werde, »falls nicht rechtzeitig und nachhaltig gegengesteuert wird«.

Extremwetterfolgen im Ahrtal: Schwächung des »gesamtwirtschaftlichen Potenzialwachstums«

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Rainer Unkel / imago images/Rainer Unkel

Unter anderem dürften klimabezogene Veränderungen in Zukunft eine wichtige Rolle an den Finanzmärkten spielen, schreiben die Bundesbankexperten. Zu den stark betroffenen Firmen zählten die Kohle-, Stahl- und Zementindustrie, aber auch Fluggesellschaften. Eher schwach betroffen seien dagegen das verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen. »Insbesondere ist damit zu rechnen, dass Unternehmen entsprechend ihres ökologischen Fußabdrucks und ihrer Kostentragfähigkeit neu bewertet werden«, schreiben die Experten.

sol/dpa/Reuters
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