Bundesbankpräsident Nagel Preisstabilität wichtiger als Verluste bei Notenbanken
Bundesbankpräsident Joachim Nagel: »Unser Job ist Preisstabilität«
Foto: Heiko Becker / REUTERSAus Sicht von Bundesbankpräsident Joachim Nagel dürfen mögliche Bilanzverluste die Notenbanken im Kampf gegen die hohen Inflationsraten nicht ins Wanken bringen. »Unser Job ist Preisstabilität, das steht über dem Erwirtschaften von Gewinnen oder dem Vermeiden von Verlusten«, sagte Nagel dem Magazin »Capital« laut Bericht vom Dienstag. Notenbanken müssten alles unternehmen, um die Preise stabil zu halten und die aktuelle Inflation einzudämmen. »Wenn dadurch Verluste entstehen, darf uns das nicht von diesem konsequenten Anti-Inflationskurs abbringen.«
Hintergrund sind die Preissteigerungen insbesondere im vergangenen Jahr. Laut Statistischem Bundesamt erhöhten sich die Verbraucherpreise um durchschnittlich 7,9 Prozent, der höchste Wert seit der Wiedervereinigung.
Die EZB und nationale Notenbanken der Eurozone hatten in den vergangenen Monaten bereits vor Bilanzverlusten im Zuge des eingeschlagenen Zinserhöhungskurses gewarnt. Die Währungshüter hatten in den vergangenen Jahren massive Bestände an Staatsanleihen und Unternehmensanleihen erworben, die derzeit eher geringe Zinsen abwerfen.
Auf der anderen Seite müssen sie im Zuge der Zinswende den Geschäftsbanken nun wieder kräftig Zinsen zahlen für deren Einlagen bei der Notenbank. Der Einlagensatz steht aktuell in der Eurozone bei 2,0 Prozent – noch im Juni 2022 war er negativ, was Strafzinsen für die Geschäftsbanken bedeutet hatte.
Bundesbank verfügt über Rücklagen
Nagel hatte darauf hingewiesen, dass die Bundesbank Rückstellungen von rund 20 Milliarden Euro für den Fall gebildet hat, dass die Zinsen wieder steigen. Verluste für die Bundesbank schloss er nicht aus. Ein Novum wäre das nicht. Die deutsche Notenbank hatte bereits in den Siebzigerjahren rote Zahlen geschrieben. Im vergangenen Jahr hatte Nagel allerdings ausgeschlossen, dass der Staat Kapital für die Bundesbank nachschießen muss.
Für die Coronajahre 2020 und 2021 war der Bundesbankscheck an den Bund ausgeblieben, da die deutsche Notenbank lediglich nur jeweils ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaftet hatte. Noch für 2019 hatte sie einen Bilanzgewinn von fast 5,9 Milliarden Euro an den Bundeshaushalt überwiesen.