Bundesliga-TV-Rechte 2:0 für die Telekom

Die Einigung wird als Kompromiss inszeniert, tatsächlich aber gibt es im monatelangen Zank um die Bundesliga-TV-Rechte einen klaren Gewinner: die Deutsche Telekom. Ihr Logo schmückt künftig die Trikots aller Spieler, die obendrein bald in der "T-Com-Liga" spielen werden.


Hamburg - Man gab sich großmütig bei der Telekom: Rein juristisch gesehen habe man ja durchaus die Möglichkeit, die Bundesliga per Internet auch über Kabel und Satellit für den Normalzuschauer auf den Fernsehbildschirm zu bringen. Das Unternehmen werde diese Rechte jedoch nicht ausüben und die Fußballspiele lediglich über sein neues VDSL-Netz als Internet-TV übertragen.

Hamburger SV gegen Werder Bremen: "Jeder Fan mit Trikot trägt künftig Telekom-Werbung"
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Hamburger SV gegen Werder Bremen: "Jeder Fan mit Trikot trägt künftig Telekom-Werbung"

Tatsächlich hat die Telekom Chart zeigen größtmöglichen Profit aus einer scheinbar verfahrenen Situation geschlagen, die durch Leichtsinnigkeit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) entstanden war. Diese verkaufte im vergangenen Dezember verschiedene Lizenz-Pakete für die Übertragung der Fußball-Bundesliga ab der nächsten Saison. In einem hitzigen Bietergefecht hatten verschiedene Medien für die Rechtepakete geboten. Die TV-Lizenz ging an den Bezahlfernsehsender Arena, die Rechte zur Übertragung der Spiele im Internet an die Telekom. Und während Arena 200 Millionen Euro für die Fernsehlizenz gezahlt haben soll, ging das Web-Paket für den Spottpreis von 45 Millionen Euro an den Telekommunikationskonzern, so heißt es. Was die DFL allerdings nicht bedachte: dass das Internet-Signal längst auch als TV-Programm über Kabel und Satellit übertragen werden kann.

Das Schlamassel entstand aber erst, weil der Bezahlfernsehsender Premiere Chart zeigen bei dem Bieterverfahren überraschend leer ausgegangen war. Um auf dem umkämpften Markt wieder ins Spiel zu kommen, wollte Premiere-Chef Kofler nun die Rechtslücke nutzen, die die DFL übersehen hatte.

Also schloss Kofler flugs einen Deal mit der Telekom. Der sah  vor, die Fußball-Partien über die VDSL-Verbindung des Bonner Konzerns und spezielle Receiver auf den Fernsehschirm zu bringen. Davon würden zwar nur wenige Premiere-Kunden profitieren, weil das neue Telekom-Netz lediglich in einigen ausgewählten Städten ab Sommer zur Verfügung stehen wird. Aber Kofler glaubte fest daran, die Kooperation auf Kabel- und Satellit-Übertragung ausweiten zu können.

Telekom wird Sponsor der Bundesliga

Da hatte der Senderchef die Rechnung ohne die Telekom gemacht. Die einigte sich nun auf ihre Weise mit der DFL und Arena. Großzügig verzichteten die Bonner auf die TV-Übertragung der Spiele über Kabel und Satellit. Dafür bekommen sie einen, heute nicht näher bezifferten, Rabatt auf den ursprünglich vereinbarten Preis für die Internet-Rechte. Vor allem aber wurde die Telekom heute zum "Premium-Partner" der Bundesliga ernannt: Ab nächster Saison werden die Trikotärmel der Kicker mit dem magentafarbenen Logo bedruckt, ab 2007 soll die Liga sogar in "T-Com-Bundesliga" umgetauft werden. Dafür muss der Konzern freilich zahlen - Insidern zufolge bis zu 60 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren - aber die Werbewirkung ist enorm. "Jeder Fan der sich künftig ein Trikot kauft, trägt auch Telekom-Werbung auf der Haut", sagt Chris-Oliver Schickentanz von der Dresdner Bank bewundernd. "Die Telekom hat das Maximale rausgeholt, ohne die Beziehungen zur DFL zu gefährden."

Das gute Verhältnis zur DFL sei vorrangig gewesen, erklärt Helaba-Trust-Analyst Florian Leinauer die Taktik der Telekom. In erster Linie gehe es den Bonnern derzeit darum, das Internet-Fernsehen auszubauen. "Dafür ist die Bundesliga das wichtigste Zugpferd, und die Übertragungsrechte sind nicht zum letzten Mal versteigert worden." Das Bündnis mit Premiere diente der Telekom als gutes Argument bei den Friedensverhandlungen mit dem Bezahlfernsehsender und der DFL - die wohl von Anfang an vorgesehen waren.

Nun habe der Bonner Konzern sozusagen etwas gut bei der DFL, "das war ja ein riesiger Lapsus, die Rechte nicht genau zu definieren", sagt Leinauer.

Der große Verlierer ist Premiere

Auch die DFL hat letztlich Glück gehabt. Sie kommt um einen peinlichen und möglicherweise teuren Streit um die Exklusivität der verkauften Lizenzen herum und bekommt obendrein noch frisches Geld für die Liga. Der neue Sponsor könne helfen, "weiterhin Fußball auf höchstem Niveau zu bieten", freute sich DFL-Präsident Werner Hackmann denn auch heute.

Premiere allerdings ist der große Verlierer des Pokerspiels. Zwar bleiben dem Sender ein relativ attraktives Filmangebot sowie die Übertragungsrechte für die Champions-League. Die einstige Zielmarke von vier Millionen Abonnenten sollte sich Unternehmenschef Kofler aber erstmal aus dem Kopf schlagen, sagt Dresdner-Bank-Experte Schickentanz. "Und die Preise muss der Sender natürlich auch senken."

Die Münchner selbst bemühen sich allerdings um Optimismus - und setzen auf die Fähigkeit der Telekom, das Internet-Fernsehen schnell und erfolgreich zu promoten. Dafür sei man ja noch Partner, erklärte Senderchef Kofler tapfer, und dieser Technik gehöre die Zukunft. "Wir sind wieder einmal die Pioniere."



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