Bundesliga-Vermarktung Kirch läuft noch mal auf

Ex-Medienmogul Kirch ist wieder da. Fünf Jahre nach dem Zusammenbruch seines Imperiums hat er sich die milliardenschwere Vermarktung der Fußball-Bundesliga-Übertragung gesichert. Ein erstaunlicher Beschluss der Clubs: Seine Pleite hat einst einige Vereine in die finanzielle Krise gestürzt.

Frankfurt am Main - Das Überraschungs-Comeback von Leo Kirch im deutschen Fußball ist perfekt: Fünf Jahre nach der Insolvenz der KirchMedia mischt der frühere Medienmogul gegen ein Milliardenhonorar wieder bei den heißbegehrten TV-Rechten der Bundesliga mit.

Nach der heutigen außerordentlichen Mitgliederversammlung der 36 Proficlubs in Frankfurt am Main gab die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) bekannt, dass eine Tochterfirma (Sirius) von Kirchs Agentur KF 15 als Inlandsvermarkter der Rechte ab der Saison 2009/2010 auftreten wird. Damit bestätigte sich ein SPIEGEL-Bericht vom Samstag.

Ausgerechnet Kirch: Seine Pleite hatte auch die Bundesliga 2002 in eine tiefe Krise gestürzt. Statt der fest einkalkulierten 820 Millionen Euro für die der Kirch-Pleite folgenden beiden Spielzeiten musste die Liga damals mit nur 600 Millionen Euro TV-Einnahmen auskommen. Manchen Club brachten die unerwarteten Millionenausfälle damals an den Rand des Ruins.

Auch deshalb wollte die DFL beim Aufsehen erregenden Ausschreibungs-Poker 2005 auf Nummer sicher gehen: Obwohl der damalige Premiere-Chef und einstige Kirch-Ziehsohn Georg Kofler mehr Geld bot, schlug die DFL das Pay-TV-Paket dem neuen, unerfahrenen Anbieter Arena zu. Doch die Hoffnung, damit langfristig für mehr Wettbewerb im Rechte-Poker zu sorgen, zerschlug sich. Arena schaffte es nicht schnell genug, ausreichend viele Abonnenten zu gewinnen und musste das Lizenzpaket zum größten Teil faktisch an Premiere weitergeben.

Nur der Hamburger SV stimmte gegen Kirch

Nun kehrt die Liga zu Kirch zurück. Durch den erneuten Einstieg des inzwischen 80-Jährigen können die Clubs derweil mit einem deutlichen Anstieg der Einnahmen rechnen. Für die drei Spielzeiten von 2006 bis 2009 kassieren die Vereine pro Saison 440 Millionen Euro aus der TV-Vermarktung. Von 2009 bis 2015 fließen nun 500 Millionen Euro je Spielzeit - also insgesamt drei Milliarden Euro binnen sechs Jahren - in die Kassen der Clubs. Damit die Liga nicht wie vor fünf Jahren der Gefahr von finanziellen Schwierigkeiten bei einer möglichen Insolvenz ihres Partners ausgesetzt ist, sind die drei Milliarden Euro durch eine hundertprozentige Bankbürgschaft gedeckt.

Um den geplanten Zugewinn zu erzielen, wird die DFL zusammen mit Sirius ein Unternehmen gründen, welches nicht mehr nur die Rechte vertreibt, sondern den interessierten Pay-TV-Sendern nun ein fertig produziertes Bundesliga-Produkt anbietet. Dabei wird Sirius 51 Prozent, die DFL 49 Prozent der Unternehmens-Anteile halten. Sollte alles in allem ein größerer Erlös als drei Milliarden Euro erzielt werden, werden die Clubs in Höhe eines von der DFL nicht näher definierten Anteils daran partizipieren. Zusätzlich plant die DFL für den Zeitraum zwischen 2009 und 2015 mit insgesamt 460 Millionen Euro aus der Auslandsvermarktung und weiteren Erlösen wie beispielsweise Marketingrechten.

"Das ist ein wichtiger Schritt für den deutschen Profifußball. Der Beschluss fiel mit Dreiviertel-Mehrheit bei nur einer Gegenstimme. Der Hamburger SV war dagegen", kommentierte Ligaverbands-Präsident Rainhard Rauball das Konstrukt, das laut DFL bereits die Zustimmung der Kartellbehörden gefunden hat.

Diverse Sende-Modelle kommen zur Ausschreibung

Der Beschluss der Mitgliederversammlung lässt allerdings offen, auf welchem Sender zukünftig die Bundesliga zu sehen sein wird. Erst im Frühjahr 2008 werden die verschiedenen Sende-Modelle für die ersten drei Jahre von 2009 bis 2012 zur Ausschreibung kommen. Damit ist offen, ob der Pay-TV-Sender Premiere weiter die Bundesliga live übertragen und ob die Sportschau in ihrer jetzigen Form die Zusammenfassung der Spiele im frei empfangbaren TV zeigen wird. Während die DFL bisher auf eine zeitnahe Berichterstattung im Free-TV setzte, entscheidet ab 2009 ausschließlich der gebotene Preis.

"Ich kann die Bedenken nicht zerstreuen, dass es die 'Sportschau' weiter um die bisherige Uhrzeit geben wird. Premiere hat die Möglichkeit, sein präferiertes Modell mit einem Gebot zu versehen", erklärte der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, Christian Seifert. Im Klartext bedeutet dies: Wenn Premiere den besten Preis zahlt, wird die Bundesligaberichterstattung der ARD-"Sportschau" aus dem Vorabendprogramm am Samstag verschwinden.

Premiere müsste gegebenenfalls allerdings die Kröte schlucken, dass der Sender das fertig produzierte Produkt von DFL und Sirius übernehmen müsste. Die Kritik, dass damit die journalistische Unabhängigkeit nicht mehr gewährleistet sei, wies die DFL-Spitze zurück.

kaz/sid/AP/dpa