Zwei Fronten gegen Burger King Zwischen Rinderzüchtern und Veganern

Die US-Fleischindustrie mobilisiert gegen den Fleischersatz bei Burger King. Gleichzeitig muss sich die Fast-Food-Kette gegen enttäuschte Veganer wehren - es droht eine Sammelklage.

Werbung für den fleischlosen "Impossible Whopper" an einem Burger King in New York
Shannon Stapleton/ File Photo/ REUTERS

Werbung für den fleischlosen "Impossible Whopper" an einem Burger King in New York

Von , Washington


Bei der Analyse von Bewegungsdaten stießen Experten der Investmentbank Barclays vor einiger Zeit auf ein auffälliges Phänomen: In manchen Filialen von Burger King in St. Louis nahm der Publikumsverkehr sprunghaft zu. Die Erklärung: Die Fast-Food-Kette hatte in der Großstadt im Bundesstaat Missouri einen Testlauf für ihren fleischlosen Burger, den Impossible Whopper, gestartet. Die Kunden bissen massenhaft zu.

Burger King reagierte schnell. Inzwischen wird das pflanzenbasierte Patty in allen der 7000 Schnellrestaurants in Amerika verkauft und steht als Rebel Whopper auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern auf der Karte. Das Produkt sei ein "riesiger Hit bei unseren Gästen", jubelte Jose Cil, CEO des Mutterkonzerns Restaurant Brands International. Er spricht von einer "der erfolgreichsten Produkteinführungen in der Geschichte von Burger King". Im dritten Quartal schnellte der US-Umsatz der Kette um fünf Prozent hoch.

Angst vor Schicksal der Milchbauern

Des einen Freud, des anderen Leid: Amerikas Rinderfarmer fürchten, dass das wachsende Geschäft mit der fleischlosen Nahrung zu ihren Lasten geht. Die Branche will verhindern, dass es ihr ergeht wie den Milchbauern: Bevor die noch richtig kapiert hatten, was abging, hatten ihnen die Imitationen aus Soja oder Mandel schon massiv Umsatzanteile im Milchregal abgenommen. Mit ganzseitigen Anzeigen in der "New York Times", dem "Wall Street Journal" und "USA Today" versucht die Rinderindustrie deshalb, das "Fake-Fleisch" in den Augen des Verbrauchers zu diskreditieren. Ihre Wissenschaftler fahnden nach möglichen Gesundheitsrisiken der Konkurrenzkost, und ihre Lobbyisten sind ausgeschwärmt, um den Gesetzgeber zu überzeugen, dass Begriffe wie Burger oder Wurst ihnen exklusiv gehören.

Der Vorwurf des Etikettenschwindels wird aber auch von anderer Seite erhoben: von Veganern. Der im Bundesstaat Georgia lebende Amerikaner Phillip Williams verleibte sich nach der Markteinführung beim Drive-Thru in Atlanta einen Impossible Whopper ein, ohne Mayo. Erst nach dem Essgenuss begriff Williams nach eigenem Bekunden, dass der "100 % Whopper, 0 % Fleisch"-Patty auf dem gleichen Grill gebraten worden war wie die traditionelle Tiervariante. Daraufhin ging Williams zum Anwalt und erhob Klage vor Gericht. Williams sei strikter Veganer, der nichts esse oder trinke, was fleischliche Beiprodukte enthalte - und Burger King habe ihn getäuscht. "Nachdem er sichergestellt hat, dass sein Impossible Whopper keine Mayonnaise enthält, ist der Kläger darangegangen, den Impossible Whopper zu essen, im Glauben, dass es sich um eine fleischlose Variante handelt", heißt es in der 13-seitigen Klageschrift.

Zwar hat Burger King auf seiner Webseite darauf hingewiesen, dass die Kunden eine "Nicht-Grill-Zubereitungsmethode" - sprich: Erwärmen in der Mikrowelle - verlangen könnten. Williams aber bemängelt, dass es in dem Restaurant an einer klaren Ansage für Veganer wie ihn mangele.

Zulassung einer Sammelklage beantragt

Fleischlose Burger: "0 % Fleisch" wirklich gleich null Prozent?
Foto: Richard Drew/AP

Fleischlose Burger: "0 % Fleisch" wirklich gleich null Prozent?

Die Klage sei nicht chancenlos, glaubt Stephen Carter, Rechtsprofessor an der Yale University. Zwar hätten die Gerichte in der Vergangenheit ähnliche Beschwerden als ein spezielles Problem Einzelner verworfen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Nach Umfragen ernährten sich heute drei Prozent der Amerikaner vegan, und die Rechtsprechung verändere sich. So ließ ein Bundesgericht 2017 die Klage einer Mutter zu, die beim Ökosupermarkt Whole Foods zwei Stücke vegane Pizza für ihre Tochter gekauft hatte. Das Kind erlitt einen allergischen Schock, weil in der Pizza Nüsse enthalten waren. Das Argument von Whole Foods, dass Veganer im Allgemeinen durchaus Nüsse essen, beeindruckte den Richter nicht. Entscheidend seien die Erwartungen der Konsumenten - und wer erwarte schon Pekannüsse auf seiner Pizza?

Übertragen auf den Burger-King-Fall hieße das, dass "0 % Fleisch" aus Sicht der Käufer eben null Prozent bedeutet und nicht vom Grill übertragene Spuren. Kläger Williams ist überzeugt, dass es anderen genauso geht wie ihm selbst. Sein Anwalt hat die Zulassung einer Sammelklage beantragt.

Den Siegeszug der fleischlosen Kost dürfte das nicht aufhalten. Burger King hat kürzlich einen Testlauf mit dem Impossible Cheeseburger gestartet und versucht, das Imitat auch Kindern als Impossible Whopper Jr. schmackhaft zu machen.

Der Gründer des Produzenten Impossible Foods hat eine Vision, die darüber weit hinausgeht. Irgendwann werde fleischlos das "neue Normal" sein, hat der Biochemiker Pat Brown erklärt. Dann würden Kinder ihre Eltern fragen: "Was, ihr habt Fleisch von Tieren gegessen? Wie eigenartig."



insgesamt 151 Beiträge
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w1w2w3 03.12.2019
1. es ist gut
das die ehemaligen fleischproduzenten/verarbeiter und verkäufer auf vegan/vegatarisch umsteigen erst sind es 3 % dann 5% dann.... wir werden immer mehr- man sollte ihnen nur keine steinein den weg legen wegen der Spurenelemente so ein aufriss als veganer kann ich das nicht verstehen
shaboo 03.12.2019
2. Ja und, dann ...
... reserviert man halt in Zukunft einen Teil des Grills exklusiv für das Braten der rein pflanzlichen Patties und gut ist. Wo soll denn da jetzt bitte das Riesenproblem sein?
Frank Meiner 03.12.2019
3. Vegan
Ich finde, dass jemand, der Fleischattrappen ißt nicht wirklich ein Vegetarier oder Veganer ist, sondern sich etwas vormacht. Andererseits werden alle Vitamin-B Präparate zumindest aus lebendigen Mikroorganismen hergestellt, also gibt es per Definition auch keine "echten" Veganer.
The Restless 03.12.2019
4.
Vegetarische Burger schmecken gut, sofern man nicht vergisst, sie gut zu würzen. Die ersten vegetarischen Burger und Pizzen habe ich vor vielen Jahren in Indien kennengelernt und seitdem immer mal wieder selber gemacht.
Cerealis 03.12.2019
5. Habe den gestern probiert
Ich bin neuem aufgeschlossen und probiere mich gern mal durch. Bislang schmeckte mir nichts aus diesem Segment. Allerdings war ich tatsächlich überrascht, wie gut der schmeckte. Anders als Fleisch, aber sehr lecker. Ich glaube, mit dem Burger wird man viel Erfolg haben.
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