CargoLifter Der Luftschiffbauer, der keine Luftschiffe baut

Die Belegschaft wird zusammengestrichen, die Zeppelin-Entwicklung gestoppt: Mit verzweifelten Mitteln kämpft CargoLifter gegen die drohende Insolvenz. Trotzdem braucht das Unternehmen kurzfristig mindestens 10 Millionen Euro - und hat keinen Finanzier.


Experimental-Luftschiff "Joey": Nach sechs Jahren noch keine Prototypen für das geplante Prestigeprojekt
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Berlin/Brand - Als Vorstandschef Carl von Gablenz sein "Zukunftsprogramm" vorstellte, ließ er am Freitag eine Menge Fragen offen. Wie viele Mitarbeiter müssen gehen? Werden die Gehälter für den Monat Mai ausgezahlt? Und: Woher genau soll das Geld kommen, das für die Produktion des Last-Ballons AirCrane CL 75 gebraucht wird?

Auf eben jenes Projekt, den AirCrane, will sich die Berlin-Brandenburger Firma in Zukunft konzentrieren, weitermachen soll nur eine "Kernmannschaft". Die Entwicklung des gigantischen Luftschiffs CL 160, deren Zeitplan bereits mehrfach gestreckt werden musste und die bisher Kernziel des Unternehmens war, wird gestoppt. "Wir können das Luftschiff so nicht bauen", gab Gablenz zu. "Also müssen wir unsere Strategie ändern." Der Last-Zeppelin solle zwar das "Flaggschiff" des Unternehmens bleiben. Wann und ob das Projekt wieder aufgenommen wird, ist freilich völlig unklar.

Keine Hilfszusage von Brandenburg und Boeing

Wie alles bei CargoLifter in diesen Tagen hängt das vom Geld ab. Das reicht nach eigenen früheren Angaben nur noch für einige Tage. In dieser Woche hatten erst das Land Brandenburg und dann der Bund weitere Finanzhilfen zunächst abgelehnt. Ein Sprecher des brandenburgischen Wirtschaftsministers Wolfgang Fürniß (CDU) sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE zunächst nur, dass man mit CargoLifter weiter im Gespräch bleiben werde.

Carl-Heinrich Freiherr von Gablenz, Unternehmenschef: "Wir sind in einer kritischen Lage"
DDP

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Ob das Land nach Vorlage des "Zukunftsprogramms" sein bisheriges Nein zu einer Finanzspritze überdenken werde, könne er noch nicht sagen, so der Sprecher. Auch der Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing ließ weiter offen, wie er sich seine Zusammenarbeit mit CargoLifter vorstellt. Der US-Konzern hatte kürzlich angekündigt, gemeinsam mit dem ostdeutschen Unternehmen die Entwicklung von Überwachungszeppelinen zu prüfen. Boeing hatte aber bisher abgelehnt, sich bei CargoLifter finanziell zu engagieren. Die Entscheidung solle "innerhalb der nächsten neun Monate" fallen, sagte Boeing-Technik-Chef Dave Swain in Berlin. Ein finanzieller Einstieg sei "möglich, aber nicht wahrscheinlich".

Spender gesucht

Für die Entwicklung des CL 160, der nach den letzten Planungen 2005 abheben sollte, fehlen CargoLifter nach eigenen Angaben 420 Millionen Euro, nach Schätzungen der Unternehmensberatung Roland Berger liegt die tatsächliche Summe wahrscheinlich noch darüber. Indem es sich auf den CL 75 beschränkt, hofft das Unternehmen offenbar, der Kostenfalle zu entkommen. Nach früheren Angaben verbraucht CargoLifter pro Monat derzeit neun Millionen Euro. Auch für den Lastenballon benötigt CargoLifter nach Aussagen des Vorstandschefs bis zum August 2003 etwa 70 Millionen Euro und kurzfristig 10 bis 20 Millionen Euro. Geld, das CargoLifter bisher nicht hat.

AirCrane 75: Künftig nur noch Ballonbauer
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Gablenz sagte, er hoffe auf Unterstützung von Aktionären, anderen privaten Investoren, Land und Bund. Er könne sich auch vorstellen, dass Gelder in mehreren Raten bezahlt würden. Durch Umsätze jedenfalls werden schwerlich Mittel in die Kasse kommen: CargoLifter hat bislang ein Exemplar seines Lastenballons an die Firma HeavyLift in Kanada verkauft. An dem Unternehmen, das eigens für den Vertrieb der CargoLifter-Produkte gegründet wurde, ist CargoLifter selbst mit 20 Prozent beteiligt.

Kleiner Ballon, große Halle

Nachdem die erste Phase der Emission einer Wandelanleihe Anfang des Monats nur einen Bruchteil des Gesamtvolumens von 50 Millionen Euro einbrachte, hatte CargoLifter gehofft, vom Land ein Überbrückungsdarlehen über 50 Millionen Euro zu erhalten. Das Kabinett lehnte diese Hilfe aber ab, weil die Bundesregierung eine beantragte neue Bürgschaft über 300 Millionen Euro für die langfristige Finanzierung noch nicht gewährt habe. Vertreter des Bundes betonten, CargoLifter habe die technische Realisierbarkeit des Lastluftschiff-Projektes nicht hinreichend nachgewiesen.

Das ursprünglich in Wiesbaden angesiedelte Unternehmen arbeitet schon seit 1996 an der Entwicklung des CL 160, der diesen Namen trägt, weil der Lasten von 160 Tonnen durch die Lüfte bewegen soll. Einen Prototypen gibt es bisher nicht, nur kleinere Experimentier-Luftschiffe. Der Bau der Luftschiff-Werfthalle, die nun mehrere Nummern zu groß für den kleinen Lastenballon sein dürfte, war vom Land Brandenburg mit fast 40 Millionen Euro gefördert worden.



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