CargoLifter Putsch gegen den Freiherrn

Carl-Heinrich Freiherr von Gablenz, Gründer und Chef des insolventen Luftschiffbauers CargoLifter, ist vom Amtsgericht faktisch entmachtet worden. Angeblich fordert der Aufsichtsrat seinen formellen Rücktritt, auch der Betriebsrat stellt sich gegen ihn.


Carl-Heinrich von Gablenz, gewohnt selbstbewusst: Immer mehr Stimmen fordern seinen formellen Rücktritt
DDP

Carl-Heinrich von Gablenz, gewohnt selbstbewusst: Immer mehr Stimmen fordern seinen formellen Rücktritt

Brand/Cottbus - Es war ein Misstrauensvotum durch das Land Brandenburg, das zu Gablenz' Entmachtung geführt hat. Die Regierung hatte seine Soforthilfe von 4,15 Millionen Euro an die Bedingung geknüpft, dass Rolf-Dieter Mönning, bisher nur vorläufiger Insolvenzverwalter, die Regie gänzlich übernimmt.

Das ist nun offiziell geschehen. Wie ein Justizsprecher mitteilte, bestellte das Amtsgericht Cottbus Mönning am Donnerstag zum vollbefugten Verwalter. Damit geht die volle Entscheidungsbefugnis vom bisherigen Unternehmensvorstand auf den renommierten Rechtsanwalt über. Wie die Soforthilfe des Landes verwendet wird, entscheidet allein Mönning. Der dreiköpfige Vorstand um Gablenz hatte bisher eine so genannte Insolvenz in Eigenverwaltung angestrebt, wie sie zum Beispiel auch von der KirchMedia umgesetzt wird. Bei einer solchen Lösung behält das Management eine starke Stellung.

Alle gegen das Vorstandstrio

Dem Vorstand um Gablenz war zuletzt von der IG Metall der Rücktritt nahe gelegt worden. Auch das Brandenburger Wirtschaftsministerium macht vor allem das Management für die Krise der Firma verantwortlich. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Mittwoch, auch der Aufsichtsrat habe dem Vorstand den Rücktritt empfohlen. Eine Firmen-Sprecherin lehnte dazu einen Kommentar ab.

Am Donnerstag hat auch der CargoLifter-Betriebsrat die Unternehmensführung erneut kritisiert und sich auf die Seite Mönnings gestellt. Die vom Vorstand betriebenen Bemühungen, Geld für eine Rücknahme des Insolvenzantrags zu beschaffen, gefährdeten die Zwischenerfolge Mönnings. Eine Rücknahme der Insolvenz mache nur Sinn, wenn ein langfristiges Finanzkonzept vorliege.

Die teuren Repräsentationsbüros des Vorstandes

Zwischen Gablenz und Mönning hatte es Dissens über die Unternehmensstrategie gegeben, der zum Teil sogar öffentlich ausgetragen wurde. So hatte der Unternehmenschef vor der Insolvenz angekündigt, man wolle sich vorerst nur auf die Produktion des Lastenballons Aircrane CL 75 konzentrieren und die Entwicklung des Luftschiffs CL 160 vorerst aus Geldmangel ruhen lassen. Mönning hingegen hatte bekundet, er halte CargoLifter ohne das Projekt CL 160 nicht für sanierungsfähig.

In der Belegschaft hat Gablenz nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen deutlich an Rückhalt verloren. Vor allem Mitglieder des CL-160-Teams haben ihn beschuldigt, nicht mehr hinter dem Prestigeprojekt zu stehen. Auch wird Gablenz intern vorgeworfen, er habe zu viel Geld für repräsentative Niederlassungen in Berlin und Frankfurt am Main ausgegeben.

Die ungeschminkte Wahrheit

Mit dem Millionendarlehen, das die Landesregierung am Dienstag gewährt hat, soll die Infrastruktur am Standort Brand gesichert und die Arbeit an den laufenden Projekten für die nächsten zwei Monate gewährleistet werden. Diese Zeit solle für eine ungeschminkte Bestandsaufnahme der CargoLifter-Projekte genutzt werden, teilte Mönning mit. Sowohl der Plan für den CL 160, der Lasten von 160 Tonnen über weite Strecken transportieren soll, als auch der Transportballon CL 75 würden auf technische Machbarkeit und Vermarktungschancen geprüft.

Die CargoLifter AG hatte am Freitag vorvergangener Woche Insolvenz angemeldet, nachdem sie keine Geldgeber für ihr Projekt, die Entwicklung und Produktion eines Schwerlastluftschiffes, gefunden hatte. Eine Woche zuvor hatte bereits die für dieses Vorhaben zuständige Tochterfirma CargoLifter Development Insolvenz beantragt. Schon seit Monaten sucht das Unternehmen erfolglos nach Partnern für die Finanzierung ihres Vorhabens.



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