In Japan Früherer Renault-Chef Ghosn erneut festgenommen

Mehr als hundert Tage saß Carlos Ghosn in japanischer Untersuchungshaft, erst kürzlich kam er auf Kaution frei. Nun nahm die Staatsanwaltschaft den früheren Automanager wieder fest. Sein Anwalt spricht von Geiselnahme.

Carlos Ghosn verlässt am 3. April das Büro seines Anwalts in Tokio
Kazuhiro NOGI/ AFP

Carlos Ghosn verlässt am 3. April das Büro seines Anwalts in Tokio


Der frühere Chef von Renault und Nissan, Carlos Ghosn, ist in Japan erneut festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft nahm ihn am frühen Donnerstagmorgen in Untersuchungshaft. Diesmal wirft sie ihm Missbrauch von Geldern des japanischen Autokonzerns Nissan zugunsten eines Vertriebspartners im arabischen Oman vor.

"Meine Festnahme heute Morgen ist ungeheuerlich und unbegründet", ließ Ghosn über einen Sprecher per E-Mail mitteilen. Sein Anwalt Junichiro Hironaka verglich das Vorgehen der Staatsanwaltschaft mit einer "Geiselnahme". Es sei völlig unverständlich, warum Ghosn jetzt erneut festgenommen werden müsse.

Bei den neuen Vorwürfen soll es um den Verdacht der schweren Untreue gehen: Laut der Nachrichtenagentur Jiji Press soll Ghosn zwischen 2012 und 2018 Gelder von Nissan für private Zwecke abgezweigt und davon unter anderem eine Luxusjacht finanziert und Investitionen in das Unternehmen seines Sohnes getätigt haben.

Ghosn wies die Vorwürfe am Donnerstag entschieden zurück und beteuerte seine Unschuld. "Das ist Teil eines neuen Versuchs von einigen Personen bei Nissan, mich zum Schweigen zu bringen, indem Staatsanwälte in die Irre geführt werden."

Der frühere Automanager war am 19. November überraschend wegen angeblichen Verstoßes gegen Börsenauflagen in Tokio festgenommen worden. Zudem soll er private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Er wurde angeklagt und erst am 6. März - nach mehr als drei Monaten in Untersuchungshaft - gegen Kaution entlassen.

Am Mittwoch hatte Renault neue Vorwürfe gegen seinen früheren Konzernchef erhoben: Dabei gehe es um Zahlungen an einen Vertriebspartner des Autoherstellers in der Region des Mittleren Ostens, wie das Unternehmen mitteilte. Die Informationen seien bereits an die französische Justiz weitergegeben worden. Der Verwaltungsrat sprach in allgemeiner Form von "anfechtbaren und versteckten Praktiken". Zweifelhafte Zahlungen soll es zudem bei der gemeinsamen Tochtergesellschaft mit dem Allianzpartner Nissan gegeben haben.

Der 65-jährige Ghosn hatte am Mittwoch eine Pressekonferenz für den 11. April angekündigt. "Ich bereite mich darauf vor, die Wahrheit darüber zu sagen, was passiert", schrieb er auf Twitter.

aar/dpa/AFP

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bernteone 04.04.2019
1. Schwerer Vertrauensbruch
Wenn es in Deutschland so ein Paragraph geben würde oh mein Gott . Da würden 90 % unserer Wirtschaftsvosse und 95 % der Politiker im Knast sitzen . In Japan herrscht noch Anstand und Vertrauen , aber das werden die Europäer auch Stück für Stück klein bekommen , Ich glaube unsere Werte vermitteln , nennen wir das .
pit.duerr 04.04.2019
2. Irgendwie kann
ich mich des Eindrucks nicht erwehren, das hier ein Insider, mit welchen schmutzigen Tricks auch immer, einfach mundtot gemacht werden soll.
dirkwerner 04.04.2019
3. @bernteone
Ich muste schon schmunzeln als ich das las. "In Japan herrscht noch Anstand und Vertrauen" Es gibt kein Land der Erde wo es mehr Beziehungsklüngel gibt als in Japan. Hier wird nur ein Ausländer fertig gemacht der sich nicht System konform verhalten hat und womöglich wem im Weg stand
erri_agatsuma 04.04.2019
4. Jpn
Vergeltungsmaßnahmen durch japanische Staatsanwälte. Dies ist das gegenwärtige autoritäre Japan. Die Abe-Regierung wird die unangebrachten Bemerkungen der herrschenden Politiker vor der Öffentlichkeit verbergen können. Japanische autoritäre "Experten" verwenden die Ausrede, um "Japan zu kritisieren,weil die Menschen in der Welt Japan nicht kennen", um Kritik zu vermeiden.
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