Vater und Sohn Mutmaßliche Fluchthelfer von Ex-Autoboss Ghosn festgenommen

Zwei per Haftbefehl gesuchte Amerikaner, Vater und Sohn, sollen dem Ex-Autoboss Ghosn zur Flucht verholfen haben. Sie versuchten noch am Mittwoch die USA zu verlassen.
Der ehemalige Nissan-Chef Carlos Ghosn und seine Frau Carole (im Bildhintergrund) vor ihrem ehemaligen Haus in Tokio.

Der ehemalige Nissan-Chef Carlos Ghosn und seine Frau Carole (im Bildhintergrund) vor ihrem ehemaligen Haus in Tokio.

Foto: Charly Triballeau/ AFP

In den USA sind zwei Männer festgenommen worden, die dem früheren Autoboss Carlos Ghosn zur Flucht aus Japan verholfen haben sollen. Die Festnahmen ereigneten sich am Mittwoch, wie aus Dokumenten eines Gerichts im Bundesstaat Massachusetts hervorging. Dem 27-Jährigen und dem 59-Jährigen wird in Japan vorgeworfen, Ghosn geholfen zu haben, das Land zu verlassen.

Bei den Verdächtigen handelt es sich um Vater und Sohn. Gegen die beiden wurde Anfang des Jahres in Japan ein Haftbefehl ausgestellt. Neben den beiden Festgenommenen gibt es in dem spektakulären Fall einen weiteren mutmaßlichen Fluchthelfer, der in Japan auch per Haftbefehl gesucht wird.

Die Taylors sollen noch am Mittwoch in Boston per Videokonferenz einem Richter vorgeführt werden, wie die Sprecherin des Justizministeriums, Nicole Navas, auf Anfrage mitteilte.

Bundesanwälte forderten den Richter auf, beide Männer in Haft zu nehmen. "Gerade das Vergehen, für das Michael Taylor in Japan angeklagt wird, zeigt seine Fähigkeit, Fluchtpläne im großen Stil zu schmieden, und seine eklatante Missachtung der Kautionsbedingungen", hieß es in einer Gerichtsakte.

Anfang dieses Monats bereitete die türkische Staatsanwaltschaft eine Anklageschrift vor, in der sieben Personen, darunter vier Piloten, wegen der Flucht Ghosns über Istanbul nach Beirut angeklagt werden.

Die Taylors wollten noch am Mittwoch das Land verlassen

Die US-Strafverfolgungsbehörden erfuhren, dass Peter Taylor einen Flug von Boston nach Beirut gebucht hatte, der am Mittwoch mit einem Zwischenstopp in London abfliegt. Er wurde ebenso wie Michael Taylor in Harvard, Massachusetts, verhaftet.

Ein Ghosn-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Der ehemalige Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi Ghosn war am 19. November 2018 in Tokio unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde er unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Ghosn floh dann Ende Dezember unter abenteuerlichen Umständen in einem Privatjet nach Beirut. Er soll in einer Kiste versteckt gewesen sein, die am Flughafen als Gepäck für Musikinstrumente deklariert und nicht durchleuchtet wurde.

caw/dpa/AP