Carrier1 Noch eine Pleite am Neuen Markt

Die Rettungspläne waren zu ehrgeizig, dann sprang auch noch ein wichtiger Kunde ab: Mit dem Telekom-Ausrüster Carrier1 geht eine weitere, im Nemax 50 notierte Firma in die Insolvenz. Wieder wird es für Aktionäre keine Entschädigung geben.


Neuer Markt in Frankfurt: Die Deutsche Börse muss ein Unternehmen suchen, dass neu in den Nemax 50 aufrückt
AP

Neuer Markt in Frankfurt: Die Deutsche Börse muss ein Unternehmen suchen, dass neu in den Nemax 50 aufrückt

Luxemburg - Carrier1 beantragte eigenen Angaben zufolge am Dienstag am Luxemburger Stammsitz bei Gericht die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, um "eine geordnete Verwertung der Vermögenswerte" zu erreichen.

Eine Entschädigung der Aktionäre und die Zahlung der fälligen Zinsen an Anleihebesitzer schloss die mit eigenen Glasfasernetzen in 13 Ländern aktive Carrier1 jedoch aus. Das Unternehmen erwartet zudem, dass zumeist noch bis Ende der Woche auch die in Europa tätigen Tochtergesellschaften ähnliche Schritte ankündigen.

An der Börse brachen die im Nemax 50 notierten Aktien um bis zu 44 Prozent auf ein Rekordtief von 0,23 Euro ein. In der Boomphase der Börse hatten die auch an der US-Technologiebörse Nasdaq notierten Aktien ihren historischen Höchststand mit 166 Euro markiert.

Wegen unsicherer Geschäftsaussichten mieden Investoren in der Folge jedoch zunehmend Telekommunikations-Werte. Nachfrageeinbrüche in der Branche hatten zuletzt zur Pleite zahlreicher Telekom-Firmen geführt, darunter der Netzanbieter Global Crossing

Das in Luxemburg beantragte Verfahren (gestion controllee) sieht Carrier1 zufolge vor, dass das Management künftig von einem vom Gericht bestellten Verwalter kontrolliert und ein Zahlungsmoratorium eingerichtet wird. Unter dem Gläubigerschutz will das Unternehmen versuchen, einen strategischen Partner zu finden, der die Vermögenswerte ganz oder in Teilen übernimmt. Diese Versuche waren bislang jedoch fehlgeschlagen.

Auch die geplante Reduzierung der Verbindlichkeiten durch Rückkauf eigener Anleihen war zuletzt zum wiederholten Mal gescheitert, da Carrier1 die dafür nötigen Finanzmittel nicht aufbrachte. Die operative Geschäftssituation von Carrier1 hatte sich jüngst deutlich verschlechtert, da einer der wichtigsten Kunden eine weitere Zusammenarbeit ablehnte.

Analysten hatten die dem Unternehmen verbliebenen Optionen schon als sehr beschränkt angesehen und die Zahlungsunfähigkeit erwartet. "Das Unternehmen hat aus meiner Sicht keine Zukunft, da keine Vermögenswerte vorhanden sind und die laufenden Ausgaben in Höhe von rund 50 Millionen Dollar pro Quartal in Kürze die noch vorhandenen Mittel aufgebraucht haben werden", hatte Felix Ellmann von SES Research gesagt. "Anlegern kann ich nur raten: Raus aus dem Wert", empfahl er jüngst.



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