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Messenger CeMAS wirft Telegram zu wenige und willkürliche Kanal-Sperrungen vor

aus DER SPIEGEL 52/2021

Die umstrittene Chat-App Telegram hat in diesem Jahr regelmäßig deutschsprachige Kanäle gesperrt, allerdings »nur wenige und willkürlich«, wie Josef Holnburger vom Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) erklärt. Seine Organisation überwacht automatisiert rund 2800 deutschsprachige verschwörungsideolgische und rechtsextreme Kanäle und Gruppen des Messengers. Insgesamt verschwanden davon im Jahresverlauf nur 25, die meisten im zweiten Halbjahr. Viele der Sperrungen gehen demnach auf Interventionen der App-Store-Betreiber Apple und Google zurück. Die Auswahl der Blockierten wirke jedoch vollkommen unsystematisch. So wurde am 11. Dezember ein populärer Kanal, über den gefälschte Impfpässe angeboten wurden, von Telegram gelöscht, Dutzende quasi identische blieben online. Vergleichsweise häufig erwischte es verschwörungsideologische Kanäle, die über eine angeblich noch andauernde alliierte Besatzung Deutschlands fabulieren und »Todesurteile« über Zweifler verhängen – teils mit Adresse und Klarnamen. Als »komplett inkonsequent« bezeichnet der Experte das Vorgehen Telegrams gegen den Verschwörungsideologen und früheren Vegankoch Attila Hildmann – der sei unter seinem Namen und in weiteren Kanälen weiterhin höchst aktiv. Betroffene können sich bislang kaum wehren, das Bundesamt für Justiz scheiterte bislang mit Zustellversuchen für Bußgelddrohungen am angeblichen Firmensitz in Dubai. In der Debatte über die Frage, wie der Flut an illegalen Inhalten beizukommen sei, setzt Holnburger auf den Wunsch des Telegram-Gründers Pawel Durow, endlich Geld zu verdienen. »Um seriöse und große Werbekunden anzulocken, muss Telegram sein Inhalte-Moderationsproblem in den Griff bekommen.«

rom  
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