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Personalmangel am Flughafen Frankfurt Chaos bei Lufthansa-Caterer Gate Gourmet

Wer bei Lufthansa derzeit Speisen oder Getränke an Bord kaufen möchte, könnte leer ausgehen. Beim Catering-Dienstleister kommt es zu Problemen, durch die nicht alle Flüge beliefert werden können.
aus DER SPIEGEL 17/2022
Catering an Bord einer Lufthansa-Maschine

Catering an Bord einer Lufthansa-Maschine

Foto: Arnulf Hettrich / IMAGO

Auf Europaflügen in der Economy Class gibt es bei der Lufthansa schon seit Frühjahr 2021 keine kostenlosen Mahlzeiten, Kaffee oder Cola mehr. Doch auch bei den kostenpflichtigen Angeboten hakt es auf vielen Strecken. Derzeit heben ab Frankfurt einige Maschinen im Europaverkehr ohne Verpflegungsmöglichkeiten für Economy-Passagiere ab, weil der Catering-Anbieter Gate Gourmet (GG) mit massiver Personalnot zu kämpfen hat.

Die Lufthansa erklärt in Mails an Fluggäste, ein »akut stark angestiegener Krankenstand« aufgrund der Pandemie zwinge zu dieser »außergewöhnlichen Maßnahme«. GG selbst spricht von einem massiven Fahrermangel auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb könnten aktuell teilweise nur Wasserflaschen geliefert werden.

Ein weiterer Grund für den Engpass dürfte in der Über­nahme der Lufthansa Catering-Tochter LSG Sky Chefs durch GG liegen. Sie war für Mitarbeiter zum Teil mit Lohnkürzungen von bis zu 1000 Euro verbunden. Zudem herrscht derzeit Chaos in der Verwaltung. GG räumt ein, bei der Lohnabrechnung sei es zu Schwierigkeiten gekommen. Auch habe es Pro­bleme bei der Übertragung älterer Daten in das Zeiterfassungssystem gegeben. Mitarbeiter berichten von teils mehreren Anrufen am Tag; Arbeitszeiten änderten sich ständig. Jeder Mitarbeiter, der sich im April nicht mehr als einen Tag krankmeldet, erhält mittlerweile 250 Euro Bonus.

Nicht betroffen von den Catering-Ausfällen sind laut Lufthansa Businessclass-Passagiere und Reisende auf Langstrecken. Passagiere, auf deren Flügen kein kostenpflichtiges Essen angeboten wird, bekommen eine Liste  von Imbissen und Restaurants am Flughafen gemailt (»ein paar Inspirationen«). Dort können sie sich auf eigene Kosten ver­sorgen.

Bei GG kam es bereits im vergangenen Jahr inmitten des Sommerreiseverkehrs zu Problemen bei der Versorgung des Kunden Lufthansa. »Massive Produktions- und Personalprobleme« wurden intern gemeldet; Lufthansa sagte damals, dass Krankmeldungen bei Gate Gourmet verantwortlich gewesen seien. Die Gategroup hatte im Dezember 2019 die europäischen Teile der Lufthansa-Catering-Tochter LSG übernommen. Der Konzern gehört einer in Hongkong ansässigen Investmentgesellschaft. Der LSG-Verkauf an die Gategroup wurde teilweise kritisiert. So bezeichnete etwa die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Lufthansa, Christine Behle, den Teilverkauf als »viel zu kurzfristig gedacht«.

Auch in anderen Bereichen des Luftverkehrs gibt es aktuell Probelme. Die Flughäfen sind für die Reisewelle nach der Coronapause schlecht gerüstet. Auch an Sicherheits­kontrollen oder bei Bodendiensten, etwa der Gepäck­entladung, kommt es aktuell zu Personalengpässen . Die Menschen wollen wieder reisen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr jüngst im SPIEGEL-Gespräch . Und er prophezeite, dass es in den Hauptreisezeiten etwa am Frankfurter Flughafen zu massiven Engpässen bei der Passagierabfertigung kommen könnte.

Auch bei Lufthansa selbst kommt es immer wieder zu Serviceengpässen; viele Lounges wurden dauerhaft abgeschafft. Kunden warten teils extrem lang in Servicehotlines; Beschwerden etwa über verloren gegangenes Gepäck bleiben seit Monaten unbeantwortet. »Es ist unbestritten, dass wir in der Pandemie nicht den Kundenservice bieten konnten, den Passagiere von uns erwarten. Dafür möchte und muss ich mich immer wieder entschuldigen«, so Spohr im SPIEGEL.

mum
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