Chaotischer Börsentag Shanghais Bungee-Börse schockiert die Anleger

Chaotischer Kursverlauf an Shanghais Börse: Erst sackte der chinesische Leit-Index um sieben Prozent ab, dann lag er plötzlich einen Prozent im Plus. Analysten sind sprachlos, die Krise an Chinas Börsen wird immer unheimlicher.


Shanghai - "Ich finde keine Worte für diesen Markt - er ist einfach verrückt", sagte Analyst Wu Nan von Xiangcai Securities angesichts der Berg- und Talfahrt an Chinas Leitbörse Shanghai. "Die Leute haben eine Erholung erwartet, aber das ist nicht eingetroffen. Und jede kleine Erholung zieht nur eine neue Verkaufswelle nach sich, weil das Vertrauen weg ist." Der SSEC-Index hatte im Lauf des Tages erst sieben Prozent verloren, kurz vor Handelsschluss lag er dann plötzlich bei einem Prozent im Plus - um kurz danach wieder auf Abwärtskurs zu gehen.

Chinesischer Anleger vor einer elektronischen Kursanzeige: Experten warnen seit geraumer Zeit vor einer Spekulationsblase
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Chinesischer Anleger vor einer elektronischen Kursanzeige: Experten warnen seit geraumer Zeit vor einer Spekulationsblase

Hintergrund der verrückten Entwicklung ist unter anderem die Erhöhung der Börsensteuer in der vergangenen Woche. Die Neuregelung hatten einige Anleger erbost abgestraft. Gestern hatte der Shanghaier Aktienmarkt mit Minus acht Prozent sogar den schwersten Einbruch seit Februar erlebt, als der Kursrutsch in China die Börsen weltweit mit hinabgerissen hatte.

Wirtschaftsexperten warnen seit längerem davor, dass sich an Chinas Börsen eine Spekulationsblase bilde. Vor allem viele Kleinanleger tragen ihre Ersparnisse an die Börse. 2006 hatte der Index in Shanghai so um 130 Prozent zugelegt, auch in diesem Jahr erreichten die Kurse immer wieder überraschende Höchstwerte. Mit einer Erhöhung der Börsensteuer sowie einer Steuererhöhung für ausländische Investoren reagiert Peking auf den heißlaufenden Markt.

Die jetzige Krise trübt die Stimmung an den Aktienmärkten weltweit - trotzdem scheinen die Auswirkungen der chinesischen Talfahrt diesmal nicht so dramatisch wie im Frühjahr. Der Aktienmarkt in Japan verbuchte heute sogar ein leichtes Plus: Vor allem Unternehmenszahlen sorgten für positive Stimmung unter den Tokioter Anlegern und ließen Ängste vor einem Börsenrutsch in China vorerst in einem anderen Licht erscheinen. Der 225 Werte umfassende Nikkei Chart zeigen-Index schloss 0,45 Prozent fester mit 18.053 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 0,21 Prozent auf 1776 Zähler. Zu den Gewinnern in Tokio zählten unter anderem die Anleger der Hausbaufirma Sekisui Chart zeigen, deren Aktien um rund drei Prozent nach oben kletterten. Das Unternehmen hatte zuvor Quartalszahlen vorgelegt, die über den Erwartungen des Marktes gelegen hatten. In Taiwan und Südkorea ging es ebenfalls leicht bergauf an den Börsen, Singapur und Hongkong notierten etwas schwächer.

Auch die positiven Vorgaben aus den USA waren dafür verantwortlich, dass sich der Nikkei so gut hielt. Die wichtigsten US-Indizes waren gestern mit leichten Gewinnen aus dem Handel gegangen. "Die frühen Kursverluste waren eine Mischung aus Gewinnmitnahmen und einiger Zurückhaltung nach dem Kursrutsch in China", sagte ein Stratege. Im Handelsverlauf habe sich der Markt dann allerdings unbeeindruckt von der Kursentwicklung in Asien gezeigt. Einige Einzelwerte wurden zudem durch Übernahmen kräftig bewegt.

ase/dpa-AFX/Reuters



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