Millionenbeute in deutschen Firmen So funktioniert die Chef-Masche

Der Trick klingt unglaublich: Kriminelle geben sich als Chef aus - und erleichtern deutsche Unternehmen um Millionen. Ermittler gehen nun an die Öffentlichkeit und erklären, wie die Täter vorgehen.
Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (Archivfoto)

Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (Archivfoto)

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Wirtschaftsbetrüger haben in den vergangenen Monaten Unternehmen in ganz Deutschland um zweistellige Millionenbeträge gebracht. Der simple Trick: Sie gaben sich als deren Chefs aus.

Klingt verrückt, ist aber wahr. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen warnt nun vor der "Chef-Masche", die auch als "CEO-Fraud" (Vorstands-Betrug), "Geschäftsführer-Trick" oder "Fake President" bezeichnet wird.

Seit Ende 2015 hätten die Fälle stark zugenommen. "Es handelt sich um ein neuartiges Phänomen, eine perfide Betrugsmethode", sagt LKA-Chef Uwe Jacob. In Nordrhein-Westfalen seien bereits 31 Millionen Euro ergaunert worden, 20 Millionen Euro davon konnten aber von den Ermittlern noch rechtzeitig "eingefroren" werden. Hinter dem Betrug stecke ein weltweites Netzwerk. Das FBI beziffert den weltweiten Schaden auf 3,1 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro).

Es handele es sich um eine Weiterentwicklung des berüchtigten Enkeltricks. Dabei meldet sich der vermeintliche Chef oder Finanzchef des Unternehmens "von oberster Stelle" beim zuständigen Buchhalter und drängt zur Eile: Für wichtige Transaktionen müsse dringend Geld überwiesen werden. Der Mitarbeiter wird zu "strikter Geheimhaltung" verpflichtet.

Zuvor werden ausländische Konten, bevorzugt in China, Hongkong oder Osteuropa, unter falschem Namen eingerichtet. Sobald das Geld eingetroffen ist, werden sie leergeräumt. Die verwendeten E-Mail-Adressen sind gefälscht, Prepaid-Handynummern nicht nachverfolgbar.

Den Mitarbeitern sind die Vorfälle oft peinlich

Für das notwendige firmeninterne Wissen brauchen die Täter nicht unbedingt einen Komplizen im Unternehmen. Im Internet lassen sich häufig die Firmenstruktur auf der Homepage und die Funktionen der Mitarbeiter in Berufsnetzwerken nachvollziehen. Über Social Media lässt sich herausfinden, ob der Vorstand gerade im Ausland weilt und schlecht erreichbar ist.

Den Verantwortlichen in den Unternehmen ist es oft peinlich, Opfer eines solchen Betrugs geworden zu sein. Viele betroffene Unternehmen scheuen sich auch lange, die Polizei einzuschalten. Die Kriminalpolizei rät: Nehmen Sie vor der Überweisung unbedingt persönlich Kontakt mit dem Geschäftsführer oder dem Vorstandsmitglied auf. Überprüfen Sie die genutzte E-Mail-Adresse genau. Kontaktieren Sie bei Betrugsverdacht umgehend die Polizei.

asa/dpa
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