Züge mit Sauerstoffversorgung China nimmt Hochgebirgsstrecke durch Tibet in Betrieb

Die Trasse verläuft fast vollständig über einer Höhe von 3000 Metern – und besteht zu zwei Dritteln aus Brücken und Tunneln: China hat eine neue Zugverbindung zwischen zwei Städten in Tibet in Dienst gestellt.
Streckenabschnitt der Zugverbindung Lhasa-Nyingchi

Streckenabschnitt der Zugverbindung Lhasa-Nyingchi

Foto: Visual China Group / Getty Images

Die Strecke verläuft über das sogenannte »Dach der Welt« – und das ist keine Übertreibung. Etwa 90 Prozent der mehr als 400 Kilometer langen neuen Bahnstrecke zwischen Tibets Hauptstadt Lhasa und der Stadt Nyingchi verläuft auf einer Höhe von 3000 Metern über dem Meeresspiegel oder mehr.

Nun hat China die Hochgebirgsverbindung in Betrieb genommen. Der Aufwand dafür war laut dem US-Nachrichtensender CNN immens: Der Bau der Strecke kostete umgerechnet 5,6 Milliarden Dollar. Gebaut werden mussten 47 Tunnel und 121 Brücken, sie machen insgesamt drei Viertel der gesamten Strecke aus. Dazu gehört auch die mehr als 500 Meter lange Zangmu-Eisenbahnbrücke, sie gilt als größte Bogenbrücke ihrer Art der Welt.

(Behalten Sie den Überblick: Jeden Werktag gegen 18 Uhr beantworten SPIEGEL-Autoren die wichtigsten Fragen des Tages. »Die Lage am Abend« – hintergründig, kompakt, kostenlos. Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail.)

Strategisches Prestigeprojekt

Wegen der erheblichen Höhe des Streckenverlaufs sind auch die Züge mit spezieller Technik ausgestattet: Dazu gehört ein System zur Sauerstoffversorgung. Um vor der hohen UV-Belastung zu schützen, sind die Fenster mit Spezialglas überzogen.

Die Strecke soll Teil von Chinas wachsendem Netz von Hochgeschwindigkeitszügen werden – und hat strategische Bedeutung. Bis 2035 soll sich sein Umfang auf eine Gesamtlänge von 70.000 Kilometern fast verdoppeln und alle Großstädte miteinander verbinden. Der Ausbau der Eisenbahn sei Teil von Präsident Xi Jinpings Plan der »Integration des riesigen nationalen Marktes«, zitiert CNN die Wissenschaftlerin Olivia Cheung vom China Institute der University of London.

Chinas Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ »Fuxing« erreichen auf vielen Streckenabschnitten Tempo 350. In Tibets Hochgebirge wird das allerdings anders sein. Die Durchschnittsgeschwindigkeit wird etwa 160 Kilometer pro Stunde betragen.

Tibet liegt auf einem zwischen 3600 und 5200 Meter hohen Plateau und wird deshalb auch »Dach der Welt« genannt. Vom 15. Jahrhundert an entwickelte sich das buddhistische Königreich zu einem Mönchsstaat mit dem Dalai Lama als Oberhaupt und Lhasa als Hauptstadt. 1950 marschierte China in Tibet ein. Seitdem verfolgt Peking eine rücksichtslose Assimilierungspolitik, die gegen Tibets Sprache und Kultur gerichtet ist.

beb
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.