Pandemiemanagement der Kommunistischen Partei Hoffnung auf Ende der Null-Covid-Politik beflügelt Börsen

Praktisch jeder Coronaausbruch in China führt zu massiven Lockdowns – und belastet die Wirtschaft. Nun wird spekuliert: Deutet ein Signal aus dem Politbüro das Ende dieser Politik an? Die Börsen reagieren bereits.
Coronaeinsatz: Medizinisches Personal mit Coronaproben in einem Einkaufszentrum in Peking

Coronaeinsatz: Medizinisches Personal mit Coronaproben in einem Einkaufszentrum in Peking

Foto: Andy Wong / dpa

Spekulationen über eine Lockerung der rigiden Coronapolitik in China beflügeln die Aktienmärkte. In Hongkong legte der Leitindex Hang Seng diesen Dienstag um mehr als fünf Prozent zu, der Hang-Seng-Tech-Index stieg um fast acht Prozent. Die Börse in Shanghai gewann 2,6 Prozent.

Auch der deutsche Leitindex Dax reagierte, mit einem Plus um 1,03 Prozent auf 13.390 Zähler in der ersten Handelsstunde. Zwischenzeitlich erreichte er mit 13.400 Punkten ein erneutes Hoch seit Mitte September. Der MDax legte sogar 1,98 Prozent auf 24 147 Punkte zu, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 1,4 Prozent hinzugewann.

Was versetzt die Investoren so derart gute Laune? Anlass war eine Notiz, die in den sozialen Netzwerken kursierte und auch vom einflussreichen Wirtschaftswissenschaftler Hao Hong getwittert wurde. Demnach soll das ständige Politbüromitglied Wang Huning einen »Wiederöffnungsausschuss« gebildet haben. Dieser prüfe Coronadaten aus dem Ausland, um verschiedene Szenarien zu bewerten, mit dem Ziel, die chinesischen Coronamaßnahmen im März zu lockern.

Das Außenministerium bestätigte die Informationen allerdings nicht. »Ich weiß nicht, woher Sie diese Information haben. Ich weiß wirklich nichts darüber«, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums auf die Frage nach einem solchen Ausschuss.

Chinas Staatschef Xi Jinping hatte beim Kongress der Kommunistischen Partei Mitte Oktober die strikte Null-Covid-Politik seiner Regierung bekräftigt. Damit sollen größere Ausbrüche um jeden Preis eingedämmt werden.

Erneut abgeriegelte Stadtteile

Steigende Coronazahlen hatten zuletzt zu einer neuen Welle von Lockdowns in der Volksrepublik geführt. Von Wuhan in Zentralchina bis Xining im Nordwesten wurden Stadtteile mit Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern abgeriegelt, um die Ausbreitung des Virus aufzuhalten.

Die strikten Lockdowns haben auch die chinesische Wirtschaft massiv belastet. Zudem sorgen sie global für große Unsicherheit, weil jeder Coronalockdown in China bedeuten kann, dass sich Lieferungen von Vorprodukten verzögern. Zum Beispiel ist die deutsche Industrie bei Computerchips oder Akkutechnik stark von chinesischen Lieferanten abhängig.

Der positiven aktuellen Entwicklung im Dax war schon ein erfolgreicher Monat vorangegangen. Im Oktober hatte der Index mit einem Zugewinn von 9,4 Prozent eine der besten Oktoberbilanzen der Geschichte hingelegt.

Als hilfreich galt unter anderem die Tatsache, dass sich der Anstieg der Einfuhrpreise im September etwas stärker abschwächte als von Experten gedacht. Die Preise für nach Deutschland importierte Güter verteuerten sich zwar immer noch sehr deutlich um 29,8 Prozent, Analysten waren aber nach 32,7 Prozent im Vormonat von einer höheren Jahresrate von 31 Prozent ausgegangen. Zur etwas schwächeren Preisdynamik haben vor allem die Kosten für importierten Strom beigetragen.

mamk/Reuters/dpa
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