Chinesischer Aktienmarkt Drastische Kursstürze nach Steuererhöhung

Die Wachstumsraten sind exorbitant, die Konjunktur überhitzt. Um den Markt abzukühlen hat die chinesische Regierung die Steuern auf Aktiengeschäfte erhöht. Daraufhin stürzten die Kurse heute in die Tiefe.


Peking - Die Aktien der Shanghaier Börse, dem wichtigsten Handelsplatz in China, stürzten heute nach Handelsbeginn um 6,5 Prozent ab. Die chinesische Regierung hatte zuvor die Erhöhung der Steuer auf Aktiengeschäfte von 0,1 auf 0,3 Prozent bekannt gegeben, wie offizielle Nachrichtenagenturen meldeten.

Ein Händler an der Börse in Shanghai: Steigerung um mehr als 60 Prozent
REUTERS

Ein Händler an der Börse in Shanghai: Steigerung um mehr als 60 Prozent

Auch die Europäischen Börsen reagierten auf den rasanten Kursrutsch: In Frankfurt am Main sackte der Dax Chart zeigen zu Handelsbeginn um mehr als ein Prozent auf 7695 Punkte ab. Auch in Paris und London Chart zeigen gaben die Kurse nach. Mit der Verdreifachung der Steuern will die Regierung den überhitzten Markt abkühlen. In China herrscht derzeit ein Börsenboom ähnlich wie zu Zeiten des Neuen Marktes in Deutschland.

Im vergangenen Jahr hat die Regierung insgesamt viermal die Zins- und Steuersätze erhöht, um den Boom zu bremsen - zweimal allein seit vergangenem März, nachdem die Wachstumsquote im ersten Quartal dieses Jahres 11,1 Prozent betragen hatte. 2006 legte die chinesische Wirtschaft um 10,7 Prozent zu. Es war der vierte zweistellige Jahreswert in Folge.

Der Shanghai Composite Index ist alleine in diesem Jahr um 62 Prozent gestiegen und hat seinen Wert seit dem Start 2006 vervierfacht. Analysten erwarten auch mit der neuerlichen Steuererhöhung nicht, dass die Kurse langfristig nach unten gehen. "Das könnte zwar der Auslöser für eine Korrektur sein, aber wir sehen keine Umkehrung des generellen Trends", sagte Thomas Grüner von der Landesbank Berlin laut BBC News. "Die Bedingungen für den Aktienmarkt sind immer noch sehr gut."

Die chinesische Wirtschaft wird auch nach den jüngsten Schätzungen der Weltbank in diesem Jahr wieder um mehr als zehn Prozent wachsen. Das Kreditinstitut in Washington prognostizierte in seinem heute veröffentlichten Vierteljahresbericht für die Volksrepublik ein Wachstum von 10,4 Prozent. Bislang hatte die Vorhersage bei 9,6 Prozent gelegen. Die Regierung in Peking hat lediglich ein Wachstumsziel von rund acht Prozent verkündet.

sam/AP/AFP



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