Chipfabrik in Frankfurt an der Oder Intel-Chef befürchtet Bauruine

Die Zeichen für das geplante Halbleiterwerk in Frankfurt an der Oder stehen schlecht. Der US-Konzern Intel, einer der großen Investoren, befürchtet, dass das brandenburgische Prestigeobjekt nicht weiter gebaut wird.


Intel-Chef Barrett: Schlechte Karten für die Chipfabrik
REUTERS

Intel-Chef Barrett: Schlechte Karten für die Chipfabrik

Düsseldorf - Intel-Chef Craig Barrett glaubt nicht mehr, dass die Chipfabrik in Frankfurt an der Oder noch fertig gestellt wird. Es gibt eine Finanzlücke in Millionenhöhe. "Je länger es dauert, desto unwahrscheinlicher wird eine Realisierung des Projekts", sagte Barrett in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Der weltgrößte Chiphersteller Intel ist als Eigenkapitalgeber und Technologiepartner mit rund 46 Millionen Euro an dem Brandenburger Projekt beteiligt. Im Ernstfall müsse Intel den Betrag abschreiben. "Das ist nicht schön für uns", sagte Barrett.

Der Ernstfall tritt ein, wenn die öffentliche Hand (Bund und Land Brandenburg) die beantragte Bürgschaft von 520 Millionen Euro zur Absicherung eines benötigten Kredits in Höhe von 650 Millionen Euro nicht stellt.

Baustelle in Frankfurt: Weiter Weg bis zur Fertigstellung
DPA

Baustelle in Frankfurt: Weiter Weg bis zur Fertigstellung

Es gibt seit langem Zweifel an den Marktchancen des Halbleiterwerks, das insgesamt 1,3 Milliarden Euro kosten und 1300 Arbeitsplätze bringen soll. Wirtschaftlichkeitsgutachten des US-Marktforschungsunternehmens Gartner waren sehr verhalten ausgefallen. Hohe Risiken sieht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, die mit einer Studie von der Bundesregierung beauftragt worden war. Das sind die Gründe, warum Bund und Land bisher keine Kredit-Bürgschaft geben wollen.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte es schon vor ein paar Wochen für unwahrscheinlich gehalten, dass die Chipfabrik im ursprünglich geplanten Umfang und Konzept gebaut werde. Es werde alles ausgelotet, was es an Alternativen gebe, hatte der SPD-Politiker zugesagt.

Inzwischen wurde nach Informationen der Betreibergesellschaft Communicant Semiconductor Technologies dem Ausschuss, der über die Bürgschaft entscheidet, eine leicht "abgespeckte Projektversion" vorgelegt. Größe, Vermarktung und Profitabilität des Werkes seien angepasst worden. "Wir hoffen, dass sich das Projekt so realisieren lässt", sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Nicht nur für Intel steht viel auf dem Spiel. Der Staat Dubai ist mit 250 Millionen Dollar größter Eigenkapitalgeber. Und auch Brandenburg hat über die Investitionsbank ILB bereits 38 Millionen Euro investiert. Scheitert das Projekt, sind also letztlich die Steuerzahler in einem noch größeren Maße als die Industrie betroffen. Nicht nur, dass sie über die staatliche Bürgschaft und das eingesetzte Kapital des Landes Brandenburg an der Investition beteiligt sind. Auch EU-Gelder würden verloren gehen, wenn zwar die Finanzierung zustande käme, sich die Chipfabrik aber nicht am Markt halten kann. Die Europäische Kommission hat Beihilfen in Höhe von 370 Millionen Euro zugesagt.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.