Chiphersteller Infineon startet mit Millionenminus ins Jahr

Infineon steckt tief in roten Zahlen: Der Münchner Chiphersteller machte im ersten Quartal 404 Millionen Euro Verlust. Besonders belastet die insolvente Tochter Qimonda. Jetzt sucht das Unternehmen Zugang zu frischem Kapital - und will seine Aktionäre um 450 Millionen Euro bitten.


München - Infineon teilte am Freitag einen Verlust von 404 Millionen Euro im Ende Dezember abgelaufenen ersten Geschäftsquartal 2009 mit. Das ist jedoch eine Besserung der Lage: Im katastrophalen Vorquartal lag das Minus mit 884 Millionen Euro noch doppelt so hoch. Der Umsatz des angeschlagenen Chipherstellers sank im ersten Quartal auf 830 Millionen Euro nach 1,153 Milliarden in den drei Monaten davor.

Produktion bei Infineon-Tochter Qimonda: Suche nach frischem Kapital
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Produktion bei Infineon-Tochter Qimonda: Suche nach frischem Kapital

Konzernchef Peter Bauer sagte in einer Telefonkonferenz, das Unternehmen bemühe sich um neues Kapital. "Wir arbeiten an allen Fronten, um Zugang zu frischem Geld zu erhalten", sagte er. Im Januar hätten Gespräche mit den Hausbanken begonnen, konkretisierte Finanzvorstand Marco Schröter, warnte aber: "Der Bankenmarkt ist hart." Bei Infineon läuft im September eine Kreditlinie über 300 Millionen Euro aus, nicht ganz ein Jahr später sind zwei Anleihen im Nennwert von zusammen 915 Millionen Euro fällig. 117 Millionen Euro davon hat Infineon jedoch im ersten Geschäftsquartal zu einem geringeren Preis bereits zurückgekauft.

Bei der Hauptversammlung am 12. Februar plant das Management nun, die Aktionäre um 450 Millionen Euro frisches Kapital zu bitten.

Erneut belastete auch die inzwischen insolvente Tochter Qimonda Chart zeigen die Bilanz - insgesamt mit 288 Millionen Euro. Den mit 195 Millionen Euro größten Teil davon bilden Rückstellungen und Wertberichtigungen für die Kosten, die Infineon möglicherweise aus der Qimonda-Insolvenz entstehen könnten. Infineon drohen die Rückzahlung öffentlicher Fördermittel, Forderungen von Mitarbeitern und Kartellverfahren. Mit Blick auf die Rückstellungen von Qimonda hieß es, es sei unklar, ob "diese Summe ausreicht, um allen Verpflichtungen nachzukommen, die in diesem Zusammenhang entstehen könnten".

Zwar meldete die Tochter, an der Infineon Chart zeigen mit 77,5 Prozent beteiligt ist, erst nach dem Ende des ersten Geschäftsquartals Insolvenz an, dennoch müsse dies schon in der aktuellen Zwischenbilanz berücksichtigt werden, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Infineon führte seinen sinkenden Umsatz auf den weltweiten Wirtschaftsabschwung und die Anpassung von Lagerbeständen zurück. Für das laufende zweite Geschäftsquartal 2009 erwartet das Unternehmen einen weiteren Umsatzrückgang von rund zehn Prozent und ein negatives Ergebnis. Die Nachfrage sei anhaltend schwach, hieß es. Um Kosten zu senken, will Infineon nun weiter sparen. Neben dem bereits angekündigten Abbau von rund 3000 Arbeitsplätzen, Kurzarbeit in den Werken Regensburg und Dresden sowie dem Ausstieg aus dem Arbeitgeberverband will Infineon auch das Bonussystem umstellen sowie bei den Reisekosten sparen. Ziel sind jährliche Einsparungen von insgesamt 600 Millionen Euro.

kaz/AP/dpa

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