Chronologie Das Rover-Desaster

Die schwierige deutsch-britische Ehe von BMW und Rover wurde 1994 geschlossen. Zunächst hatte BMW der neuen Tochter relativ viel Eigenständigkeit zugebilligt. Doch Rover steuerte BMW mit Milliardenverlusten immer tiefer in die Krise.


Oktober 1998

Der BMW-Vorstand trifft sich mit der britischen Regierung und Gewerkschaften zu Krisengesprächen. Die Rover-Führung räumt ein, wegen niedriger Produktivität und Wechselkursverlusten seien hohe Kosteneinsparungen notwendig. Noch beschäftigt die Gruppe knapp 40.000 Mitarbeiter.

November 1998 BMW und Gewerkschaften einigen sich auf einschneidende Sparmaßnahmen. Mehrere tausend Arbeitsplätze bei Rover sollen abgebaut werden.

Dezember 1998 Auch 1998 schreibt Rover Milliardenverluste. Rover-Chef Walter Hasselkuss tritt ab. Als Nachfolger schickt BMW aus München Werner Sämann nach London. BMW-Chef Bernd Pischetsrieder räumt Fehler ein: "Rover wurde an zu langer Leine geführt."

Februar 1999 In seiner schwersten Führungskrise seit Jahrzehnten wechselt BMW die Konzernspitze aus. Pischetsrieder tritt zurück. Nachfolger wird Produktionschef Joachim Milberg. Auch Entwicklungschef Wolfgang Reitzle geht. Die britische Regierung fordert BMW auf, das Rover-Werk in Longbridge zu erhalten.

März 1999 Rover beantragt mehrere hundert Millionen Mark Staatshilfen für Longbridge. Milberg kündigt eine Rosskur bei Rover an. Der Rover-Verlust von 1,9 Milliarden Mark frisst die Rekordgewinne der Marke BMW fast auf.

Mai 1999 Sämann kündigt an, Rover wolle die Produktion langfristig auf gut eine Million Autos im Jahr verdoppeln. Viele Aktionäre kritisieren auf der Hauptversammlung den Rover-Kauf. BMW-Vorstand Horst Teltschik bekräftigt, Rover müsse 2001 Gewinne schreiben.

Juni 1999 Der neue Hoffnungsträger Rover 75 geht in den Verkauf. Der BMW-Chef kündigt Investitionen von zehn Milliarden Mark in Großbritannien für fünf Jahre an. Milberg erklärt, wegen des hohen Pfundkurses könnten 1999 erneut 1,9 Milliarden Mark Verluste anfallen. 2000 und 2001 solle das Minus jeweils halbiert werden.

Dezember 1999 Brüssel will die zugesagten britischen Staatshilfen für Rover von fast einer halben Milliarde Mark genau prüfen. In der Kommission wird bezweifelt, dass die Standortalternative in Ungarn jemals ernsthaft erwogen wurde.

Januar 2000 Die Rover-Verluste im Jahr 1999 werden von Analysten auf 2,5 bis 3 Milliarden Mark geschätzt. 1999 sank der Rover-Absatz einschließlich der Marken Mini und MG um ein Viertel auf 251.000 Autos. Der Absatz der gesamten BMW-Gruppe stagnierte daher bei 1,2 Millionen verkauften Fahrzeugen.

Die Verluste geben Spekulationen über eine Allianz von BMW und Volkswagen Nahrung. Auch andere Konzerne werden als Aufkäufer genannt. Die Familie Quandt will jedoch Hauptaktionär bei BMW bleiben.

März 2000 BMW beschließt den Verkauf von Rover an den britischen Finanzinvestor Alchemy Partners. Die Trennung soll sechs Milliarden Mark kosten. Wegen der Rückstellungen weist BMW in der 1999er Bilanz erstmals seit Jahrzehnten Milliardenverluste aus. Land Rover wird an Ford verkauft. Die britische Regierung und Gewerkschaften protestieren heftig.

April 2000 Alchemy bricht die Gespräche mit BMW über den Kauf von Rover am 28. April überraschend ab. Nun verbleibt das Phoenix-Konsortium unter Leitung des ehemaligen Rover-Chefs John Towers als einziger Kaufinteressent. BMW erklärt, in Monatsfrist über einen Verkauf oder die Schließung von Rover zu entscheiden.



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