Chrysler-Verkauf Cerberus beginnt konkrete Gespräche

Gut möglich, dass Wolfgang Bernhard bei Chrysler bald wieder Einfluss auf die Geschicke nimmt. Auf der Suche nach einem Käufer für Chrysler konzentriert sich der Mutterkonzern DaimlerChrysler einem Pressebericht zufolge inzwischen auf den Finanzinvestor Cerberus - Bernhards Arbeitgeber.


New York - Während der deutsche Autohersteller in den vergangenen zwei Wochen "detaillierte Gespräche" mit Cerberus geführt habe, seien zwei andere Chrysler-Bewerber momentan in der Warteschleife, schreiben die "Detroit News" und das "Wall Street Journal" sinngemäß in ihren jeweiligen Online-Ausgaben. Die Investmentfirma Blackstone Group und der kanadische Autoteile-Hersteller Magna International Chart zeigen seien seit der Vorlage ihrer formellen Gebote hingegen nicht in fortgeschrittene Gespräche mit DaimlerChrysler Chart zeigen eingebunden gewesen.

Unverkaufte Chrysler-Autos: "Die krempeln die Ärmel hoch"
AP

Unverkaufte Chrysler-Autos: "Die krempeln die Ärmel hoch"

Dagegen hätten Cerberus-Vertreter unter Führung von Wolfgang Bernhard weit reichende Diskussionen über verschiedene Aspekte eines möglichen Deals geführt. "Die krempeln wirklich die Ärmel hoch und gehen in die Details", erklärte eine mit den Gesprächen vertraute Person der "Detroit News".

Cerberus wird als ein starker Kandidat für eine mögliche Übernahme von Chrysler gesehen, da das Unternehmen über hohe finanzielle Ressourcen verfügt. Zudem könnte Cerberus hohe Synergien zwischen Chrysler Financial und GMAC, der Finanzsparte von General Motors Chart zeigen, erzielen, an der Cerberus mit 51 Prozent beteiligt ist.

Cerberus habe sein Interesse zudem mit der Verpflichtung des ehemaligen Chrysler-Chefs Wolfgang Bernhard unterstrichen, schreibt wiederum das "Wall Street Journal". Dieser genieße bei Chrysler weiterhin ein hohes Ansehen. Allerdings dürfte eine Übernahme durch Cerberus auf Widerstand der Gewerkschaften stoßen, die eher Magna favorisieren. Der Automobilzulieferer gilt als Partner mit langfristigen Interessen, wogegen den Private-Equity Unternehmen lediglich die Absicht unterstellt werden, schnelle Gewinne erzielen zu wollen.

Das Daimler-Management und der -Aufsichtsrat treffen sich in dieser Woche. Es könne bald eine Entscheidung über einen bevorzugten Käufer fallen, heißt es in den Berichten. Laut der Online-Ausgabe der "New York Times" könnte das Geschäft sogar schon am Montag verkündet werden. Ein DaimlerChrysler-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Auch von Cerberus war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Bernhard war zwischen 2001 und 2004 als "Chief Operating Officer" bei Chrysler für die Tagesgeschäfte zuständig. Er war die rechte Hand des damaligen Chrysler-Chefs und jetzigen DaimlerChrysler-Konzernchefs Dieter Zetsche. Nach seinem Rücktritt als Markenchef von Volkswagen Chart zeigen war er schließlich zu Cerberus gewechselt.

Das Chrysler-Management zeige sich dem Cerberus-Angebot gewogen, gab die Zeitung zu verstehen. Die laufenden Diskussionen mit Cerberus scheinen nach Darstellung der "Detroit News" Spekulationen zu dämpfen, dass der kanadische Zulieferer Magna Favorit der Chrysler-Auktion sei. Die "WirtschaftsWoche" berichtete am Wochenende in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf das Umfeld der Unternehmensspitze, Magna plane eine 40-Prozent-Beteiligung an Chrysler. Weitere 40 Prozent könnte demnach der kanadische Finanzinvestor Onex übernehmen, während Daimler den Rest halte. Neben Cerberus und Blackstone hatte auch der amerikanische Multimilliardär Kirk Kerkorian für Chrysler geboten.

mik/dpa/Reuters/Dow Jones

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