Cicero-Preis Dubiose Ehre für Gottschalk

Thomas Gottschalk erhält in der kommenden Woche den Cicero-Rednerpreis. Vergeben wird die Ehrung vom höchst umstrittenen Unternehmer Norman Rentrop - die Tarn-PR soll ihm ein bisschen mehr Glamour verschaffen als sein Adresshandel und seine dubiosen Lebenshilfe-Ratgeber.


Hamburg - Kaum eine Preisverleihung ist so gut getarnte PR wie die Vergabe des Cicero Rednerpreises. Wenn er morgen an den Entertainer Thomas Gottschalk verliehen wird, werden nur die wenigsten Festgäste im World Conference Center in Bonn genau wissen, zu wessen Gunsten sie sich denn nun eigentlich genau versammelt haben. Vergeben wird der Preis vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft des Bonner Unternehmers Norman Rentrop – einem der eifrigsten Adresshändler und Lebenshilfe-Ratgeber im Lande.

Unternehmer Rentrop: Schrieb seinen ersten Business-Ratgeber noch zu Schulzeiten
DER SPIEGEL

Unternehmer Rentrop: Schrieb seinen ersten Business-Ratgeber noch zu Schulzeiten

Rentrop ging noch zur Schule, als er seine erste Publikation "Die Geschäftsidee" herausbrachte – ein Kompendium oft märchenhaft anmutender Geschichten von Gründern, die mit abstrusen Ideen offenbar auf eine nicht enden wollende Welle des Erfolgs geraten waren. Heute haben die verdächtig teuren Postillen der Verlagsgruppe Namen wie "Vera’s Glücks-Ratgeber", "Oxford Club Communiqué" oder "Breakout Trader" und versprechen etwa "in jeder Börsenlage 34 Prozent oder sogar 49 Prozent Gewinn in ein bis zwei Tagen".

Bestimmte Abonnenten vergattert der Verlag sogar zur "Verschwiegenheit gegenüber Dritten" – eine Verpflichtung, die Axel Drückler, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern, für "abstrus" hält. "Die Sicherheit, die diese Publikationen vorspielen, ist illusorisch", so Drückler.

Ein Verlagssprecher hält dem entgegen: "Alle diese Versprechen sind geprüft." Bei den Verheißungen des "Breakout-Trader" ist er sich aber plötzlich nicht mehr sicher. Da sei man "vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen".

Immerhin erlaubt das florierende Zeitschriftengewerbe dem Verlag offenbar, sich weit über dem Niveau der Heftchen nach außen zu inszenieren: So gelingt es dem Bonner Unternehmen, teils über teure Agenturen, Politiker, Wissenschaftler und Fernsehgrößen für das sogenannte "Petersberger Forum" zu verpflichten. Die Veranstaltung soll gesellschaftliches Engagement beweisen. Joschka Fischer und Otto Schily waren dort ebenso zu Gast wie Marcel Reich-Ranicki. Als Laudator für den zuletzt vergebenen Rednerpreis stand sogar der Moderator Ulrich Wickert bereit.



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