Ciprobay Bayer soll seinen Patentschutz verlieren

Die amerikanischen Apotheken werden der Nachfrage nach Antibiotika zum Schutz gegen Milzband kaum noch Herr. Nach der Vorstellung von US-Senator Charles Schumer soll die Regierung deswegen den Patentschutz für das Bayer-Mittel Ciprobay lockern.


Sprachlos nach Forderung, das Patent zu lockern: Bayer (Werk in Leverkusen)
REUTERS

Sprachlos nach Forderung, das Patent zu lockern: Bayer (Werk in Leverkusen)

Washington - Damit könnten auch Generika-Hersteller den wachsenden Bedarf befriedigen, sagte Schumer am Dienstag. Der Pharmakonzern wollte sich zu diesem Vorstoß zunächst nicht äußern. "Wir haben noch keine Zeit gehabt, darüber nachzudenken", sagte Pressesprecher Mark Ryan. "Wir sind zurzeit nicht in der Lage, uns dazu zu äußern." Das Patent für Ciprobay läuft Ende 2003 aus.

Gleichzeitig teilte der Pharma-Konzern mit, dass die Produktion von Ciprobay in den nächsten drei Monaten mehr als verdreifacht werden soll. Insgesamt sollen 200 Millionen Tabletten produziert werden, verglichen mit 60 Millionen Tabletten in einer normalen Dreimonatsperiode, sagte die Vertreterin der Pharmaabteilung von Bayer in den USA, Karin Dawes. Das Unternehmen arbeite mit der US-Regierung zusammen, um alle Bestellungen zeitgerecht ausliefern zu können.

Ciprobay ist in den USA zur Behandlung von Lungen-Milzbrand anerkannt. Zwei dieser Fälle sind in den vergangenen zwei Wochen in Florida bestätigt worden. In New York sind zwei Menschen an Haut-Milzbrand erkrankt. Zahlreiche besorgte Bürger haben sich mit Ciprobay eingedeckt. An vergangenen Wochenende gingen mehreren Apotheken die Medikamente aus. In den vergangenen fünf Tagen seien so viele Bestellungen eingegangen wie sonst in einem Monat, sagte Dawes. Nach Angaben von Bayer wird inzwischen in zwei Fabriken in Deutschland rund um die Uhr gearbeitet. Die Produktionsdauer einschließlich Verpackung dauert drei bis fünf Wochen.

Die US-Regierung will ihre Antibiotika-Lagerbestände aufstocken. Insgesamt sollen Medikamente für die Behandlung von zwölf Millionen Menschen vorrätig sein. Zurzeit wäre nur die Behandlung von zwei Millionen Menschen sicher gestellt. Gelagert werden sollen neben Ciprobay auch andere Antibiotika. Auf die Forderung Schumers, den Preis des Medikaments zu senken, ging Bayer nicht ein. Die Preise seien seit Monaten konstant. Die US-Regierung zahlt nach Angaben von Bayer für eine Ciprobay Tablette 1,83 Dollar, Großhändler 4,57 Dollar.



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