Citigroup 26.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Der weltgrößte Finanzkonzern gibt dem Druck der Aktionäre nach: Um ihre Betriebskosten zu senken, will die Citigroup offenbar mehr als 26.000 Stellen streichen. Gleichzeitig hat die Deutsche Bank dem Konkurrenten einige seiner wichtigsten Führungskräfte abgeworben.


New York - Die größten Kürzungen seien in der Privatkunden- und der Investmentbank-Sparte geplant, berichtete die "New York Times" am Dienstag. Der Chef des weltgrößten Finanzkonzerns, Charles Prince, will dies am Mittwoch im Rahmen von umfassenden Kostensenkungen ankündigen. In anderen Medienberichten war von 15.000 bis 45.000 Stellenstreichungen die Rede. Bei der Citigroup Chart zeigen arbeiten insgesamt 327.000 Menschen.

Die Citibank unter Druck: Einzelaktionäre fordern "drakonische" Einschnitte
AP

Die Citibank unter Druck: Einzelaktionäre fordern "drakonische" Einschnitte

Prince erklärte in einer Mitteilung an die Angestellten, die Bank wolle einige Abteilungen in Verwaltung und Abwicklung zusammenlegen und Arbeitsplätze in Regionen mit niedrigen Arbeitskosten verlagern. Ein Citigroup-Sprecher bestätigte den Inhalt der Mitteilung. Prince kündigte darin die Bekanntgabe der Pläne für Mittwoch an.

Großaktionäre fordern die Bank angesichts der relativ schwachen Kursentwicklung des Papiers seit längerem zur Senkung ihrer Betriebskosten von 52 Milliarden Dollar auf, um den Gewinn zu steigern. Der saudische Prinz Alwaleed bin Talal forderte als größter Einzelaktionär im Juli "drakonische" Einschnitte, da die Kosten doppelt so schnell wuchsen wie die Einnahmen. Die jetzt anstehenden Kürzungen sind das Ergebnis einer viermonatigen internen Kostenprüfung. In der Mitteilung des Citigroup-Chefs heißt es jedoch auch, das Institut könne nicht allein durch Schrumpfen zulegen und wolle seine Einnahmen steigern.

Kampf um talentierte Kräfte

Die Deutsche Bank Chart zeigen soll dem US-Rivalen unterdessen 18 Banker in Singapur abgeworben haben, wie es aus Finanzkreisen hieß. Damit setzt sich der Kampf um talentierte Kräfte in der asiatischen Finanzbranche fort. Die Deutsche Bank selbst erklärte am Dienstag lediglich, im Bereich vermögende Privatkunden (Private Wealth Management) 18 weitere Mitarbeiter angeheuert zu haben. Einige von ihnen hätten ihre Arbeit bereits aufgenommen, der Rest werde seine Tätigkeit in den kommenden Wochen beginnen.

Erst im Februar hatte die Deutsche Bank Ravi Raju von dem US-Haus abgeworben. Der Manager leitet mittlerweile das Geschäft der Bank mit vermögenden Privatkunden in der Region Asien-Pazifik. Insgesamt beschäftigt Deutschlands größtes Geldhaus rund 500 Mitarbeiter in dem Segment.

Für Citigroup ist der Verlust der Mitarbeiter ein herber Schlag: Vergangenes Jahr war bereits ein Team zum Konkurrenten UBS gewechselt. Damals waren die Amerikaner sogar vor Gericht gezogen. Talentierte Nachwuchsbanker sind in Singapur gefragt, weil der Stadtstaat versucht, Hongkong den Rang als Finanzplatz Nummer eins Asiens streitig zu machen. Die ganze Region profitiert von starkem Wirtschaftswachstum. Zusammen mit hohen Ersparnissen lässt dies die Nachfrage nach Anlageberatung für Reiche kräftig steigen.

sam/reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.