Clearstream-Affäre EADS-Manager outet sich als anonymer Briefeschreiber

Bisher hatte Jean-Louis Gergorin seine Beteiligung an der Clearstream-Affäre stets bestritten – jetzt aber wagt der EADS-Manager die Flucht nach vorne. In einer Zeitung outete er sich als der anonyme Briefeschreiber, der die Verleumdungskampagne ins Rollen brachte.


Paris – Die Gerüchte kursieren seit Monaten, doch nun hat Jean-Louis Gergorin in einer Zeitung erstmals zugegeben: Nach einem geheimen Treffen mit dem Untersuchungsrichter habe er diesem am 4. Mai 2004 einen anonymen Brief mit Anschuldigungen gegen vermeintliche Schwarzgeldkonten-Besitzer zukommen lassen. Das sagte der EADS-Manager dem "Parisien".

EADS-Manager Gergorin: "Namen von russischen Milliardären"
AP/ EADS

EADS-Manager Gergorin: "Namen von russischen Milliardären"

Durch die Clearstream-Affäre, über die täglich neue Details bekannt werden, gerät der französische Premierminister Dominique de Villepin derzeit immer stärker in Bedrängnis. In der Verleumdungsaffäre um gefälschte Kundendateien des Finanzhauses Clearstream wird er verdächtigt, den Geheimdienst auf angebliche Schmiergeldkonten von Innenminister Nicolas Sarkozy angesetzt zu haben.

Nun hat Gergorin zum ersten Mal zugegeben, der anonyme Briefeschreiber zu sein, der die Gerüchte über die Konten bei Clearstream in die Welt setzte. Zu späteren anonymen Schreiben an den Richter, die auch eine umfangreiche Kontenliste mit Namen von Politikern wie Innenminister Nicolas Sarkozy enthielt, wollte sich der EADS-Manager zwar erst bei seiner richterlichen Vernehmung äußern. Er bestätigte aber, dass er Ende 2003 dem für das Verteidigungsministerium arbeitenden Geheimdienstgeneral Philippe Rondot eine Liste mit 70 Konten beim Finanzdienstleister Clearstream übergeben habe. Darauf seien neben "drei Namen von russischen Milliardären, Mafia-Namen" und Regierungsbeamten auch drei französische Politiker zu finden gewesen: Ex-Verteidigungsminister Jean-Pierre Chevènement sowie die beiden ehemaligen Finanzminister Dominique Strauss-Kahn und Alain Madelin.

Von wem er selbst die Liste bekommen hatte, wollte Gergorin nicht offenbaren. Der Name Sarkozys sei jedenfalls erst im April 2004 aufgetaucht. Damals habe seine geheime "Quelle" ein "komplettes Verzeichnis" von privaten Clearstream-Konten mit 33.000 Namen erstellt. Diese habe die "Quelle" Rondot übergeben. Gergorin war Anfang der achtziger Jahre Vorgesetzter Villepins im Außenministerium in Paris gewesen.

ase/AFP



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