Sinkender Fleischkonsum Tönnies beklagt deutlichen Umsatzeinbruch

Tönnies hat für das vergangene Jahr einen Umsatzrückgang von elf Prozent gemeldet. Am meisten machten Deutschlands größtem Schlachtkonzern zwei Dinge zu schaffen: die Coronapandemie und der sinkende Fleischkonsum.
Halbierte Schweine in einem Schlachthof: Spürbarer Rückgang beim Fleischkonsum

Halbierte Schweine in einem Schlachthof: Spürbarer Rückgang beim Fleischkonsum

Foto: Mohssen Assanimoghaddam/ dpa

Keine Würstchen beim Fußball, kein Steak bei der Hochzeitsfeier: Das zweite Coronajahr und ein spürbarer Rückgang beim Fleischkonsum haben 2021 deutliche Spuren in der Bilanz des Fleischkonzerns Tönnies hinterlassen.

Im ersten Coronajahr 2020 war der Umsatz um drei Prozent auf sieben Milliarden Euro gesunken. 2021 sank der Jahresumsatz weiter um 11,4 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Zum Gewinn äußert sich das Familienunternehmen mit Sitz im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück generell nicht.

Fußballspiele und Hochzeiten fehlten

Der Miteigentümer Clemens Tönnies schreibt in der Mitteilung  von einem »nicht zufriedenstellenden Jahr«. Die Branche sei geprägt gewesen durch Corona und die Afrikanische Schweinepest (ASP). Durch die Pandemie seien Gastronomie und Mensen wochenlang geschlossen gewesen, die Fußballstadien blieben leer, Familienfeiern und Hochzeiten fielen aus. Der Fleisch- und Wurstkonsum sei automatisch zurückgegangen.

Bedingt durch die ASP durften Teilstücke von Schweinen nicht nach Asien exportiert werden. Hier fehlte, wie bereits im Vorjahr, erneut ein Absatzmarkt.

Tönnies spricht von einem Jahr des Paradigmenwechsels für die gesamte Branche mit dem Ende der Werkverträge zum 1. Januar 2021. »Als Branche haben wir zu lange daran festgehalten. Das war sicherlich ein Fehler. Wir als Marktführer hätten den Wandel früher vorantreiben müssen«, sagt Clemens Tönnies. Den Paradigmenwechsel, von dem er spricht, hat allerdings der Gesetzgeber eingeläutet. Weltweit arbeiten rund 16.500 Mitarbeiter für das Unternehmen.

Immer wieder stand der Schlachtriese in der Kritik – zuletzt wegen hoher Corona-Infektionszahlen innerhalb des Betriebs, aber auch die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie rückten in den Fokus. Daten der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe zeigten, dass noch 2019 etwa sieben von zehn Arbeitnehmern in der Fleischindustrie prekär beschäftigt waren – was auch auf die hohe Anzahl von Werkverträgen zurückzuführen war.

ani/dpa
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